Montag, 21. Dezember 2009

Hunderttausende im Iran auf den Straßen:
Montazeri-Trauerzug wird zu Protestmarsch

  • Opposition mobilisiert nach dem Tod des Geistlichen
  • Zusammenstöße mit Sicherheitskräften gemeldet

Im Iran hat die Opposition die Beerdigung des Regimekritikers Montazeri zu einer Demonstration ihrer Stärke genutzt. Nach Angaben der Opposition nahmen Hunderttausende an einer Prozession in der heiligen Stadt Qom (Ghom) teil und skandierten Slogans zur Unterstützung Montazeris und gegen Präsident Ahmadinejad.

"Unschuldiger Montazeri, dein Weg wird weiter beschritten, auch wenn der Diktator Kugeln auf unsere Köpfe regnen lassen sollte", riefen die Teilnehmer des Trauerzugs. In der Nähe von Montazeris Haus kam es zu Zusammenstößen. Die Demonstranten bewarfen demnach dort ein Großaufgebot der Sicherheitskräfte mit Steinen.

Viele Menschen hielten Bilder Montazeris hoch. Etliche Teilnehmer der Prozession trugen grüne Armbänder, um ihre Unterstützung für den unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Moussavi deutlich zu machen. Grün ist in der Islamischen Republik die Farbe der Opposition. Nach Angaben der einer oppositionellen Webseite erwiderten die regierungstreuen Basij-Milizen: "Schande über Euch, Heuchler, verschwindet aus der Stadt Qom." Die Trauernden riefen zurück: "Was ist mit dem Geld aus dem Öl-Verkauf geschehen? Es ist an die Basij geflossen."

Mit Megaphonen in den Trauerzug
Weiter hieß es, dass Mitglieder der regierungsnahen Miliz Ansar Hisbollah versucht hätten, Unruhe in den Trauerzug zu bringen. Mit Megaphonen versuchten sie demnach, die Sprechchöre der Menge zu stören. Dies habe einige "Konfrontationen" ausgelöst.

Montazeri war im Alter von 87 Jahren gestorben. Der frühere Weggefährte von Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini war für seine kritische Haltung gegenüber der geistlichen und politischen Führung des Landes bekannt und stand deswegen jahrelang unter Hausarrest. Der Geistliche sollte eigentlich Khomeini nachfolgen. Beide zerstritten sich jedoch wenige Monate vor Khomeinis Tod im Juni 1989. Daraufhin folgte der theologisch rangniedere Ayatollah Khamenei ins Amt des geistlichen Staatsoberhaupts.
(apa/red)

21.12.2009 17:02