Aufgrund "dramatischer Sicherheitslage":
Polizei räumt das besetzte Wiener Audimax
- Studenten und Obdachlose leisten keinen Widerstand
- Audimax-Besetzer: "Der Protest wird weitergehen"
ÖH: "Unverständlich, dass gerade jetzt geräumt wird"
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Die Besetzung ist vorüber: Das Audimax der Universität Wien wurde heute gegen 6:45 Uhr geräumt. Die rund 80 Obdachlosen und etwa zehn Studenten verließen auf Aufforderung der Polizei hin ohne Widerstand den Hörsaal. Den Obdachlosen wurde am Ausgang eine Information über eine Stelle der Stadt Wien gegeben, an die sie sich für eine Unterkunft wenden sollten. Das Audimax soll nun zugesperrt werden, teilte die Universität Wien mit.
Die Universität Wien begründete die von ihr beauftragte Räumung mit der "dramatischen Sicherheitslage". Die Schließung sei, wie auch bei anderen Hörsälen, zu Beginn der Weihnachtsferien erfolgt, hieß es in einer Aussendung der Uni. Das Gefahrenpotenzial sei angesichts der von den Besetzern geplanten Feiern zu Weihnachten und Silvester weiter angestiegen. "Die Sicherheit ist im Hauptgebäude ohne Schließung nicht mehr zu gewährleisten."
Unter anderem sei "ein in Deutschland polizeilich gesuchter Demonstrant" in dem Hörsaal verhaftet worden, die Besetzer seien außerdem gewaltsam in Büroräumlichkeiten eingedrungen, der Drogenhandel und -konsum habe zugenommen.
Zunächst verließen im Zuge der Räumung die Obdachlosen das Audimax, zuletzt kam eine Gruppe aus rund zehn Studenten aus dem Hörsaal. Sie riefen: "Wessen Uni? Unsere Uni!" und stellten vor dem Eingang zur Universität ein Transparent auf. Unterdessen hatten sich rund ein Dutzend Schaulustige bzw. von den Besetzern alarmierte Personen vor dem Gebäude eingefunden, zu Zwischenfällen kam es jedoch nicht.
"Geht auf jeden Fall weiter"
Jene Besetzer des Audimax der Universität Wien, die auf Aufforderung der Polizei den Hörsaal räumen mussten, denken weiterhin nicht an ein Ende der Proteste. "Es geht auf jeden Fall weiter", so eine Besetzerin. Die Protestbewegung werde nun in andere besetzte Uni-Räume wie den Hörsaal C1 am Campus im Alten AKH (Wien-Alsergrund) gehen. Auch weitere Besetzungen seien möglich.
Die Räumung sei so überraschend gekommen, dass nicht genügend Zeit gewesen sei, um andere Teilnehmer der Protestbewegung zu mobilisieren, sagte einer der Besetzer. Sie hätten keinen Widerstand gegen die Räumung geleistet, weil es "sinnlos" gewesen wäre. Und: "Vielen ist klar, dass wir nicht zum letzten Mal im Audimax gesessen sind."
"Weihnachtsfrieden"
Flora Eder vom Vorsitzteam der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Uni Wien übte Kritik am Zeitpunkt der Räumung. "Es ist schade, dass es gerade jetzt passiert, weil es für das Rektorat über die Ferien keine Zusatzkosten für die Anmietung von Vorlesungsräumen bedeutet hätte. Aber offensichtlich ist der Uni der Weihnachtsfrieden wichtiger als der bildungspolitische Frieden". Eder verwies außerdem darauf, dass es "sehr konstruktive Gespräche" zwischen Unileitung, ÖH und den Audimax-Besetzern über eine Freigabe des Hörsaals gegeben hätte. "Deshalb ist es unverständlich, dass gerade jetzt geräumt wird."
Scharfe Kritik kommt auch vom Verband der Wiener Wohnungslosenhilfe: Die Caritas habe extra ein Notschlaflager für die im Audimax untergekommenen Obdachlosen eingerichtet, so der Verbandsvorsitzende Markus Reiter von der Obdachloseneinrichtung "Neunerhaus". Die Uni sei von diesen Plänen informiert gewesen, betonte Reiter. Dass die Uni die aus dem Audimax verwiesenen Obdachlosen an das "Service für Wiener Wohnungslosenhilfe" (P7) verwiesen hat, hält Reiter für sinnlos. "Die können auch nichts anderes sagen, als dass es keine freien Plätze gibt."
(apa/red)
