Humanplasma, Hütthaler, Matschiner:
2009 im Zeichen neuer Doping-Enthüllungen
- Zahlreiche Festnahmen durch die Soko Doping
- Hütthaler und Kohl gestehen jahrelangen Missbrauch

Spätestens seit der Olympia-Affäre von Turin im Jahr 2006 weiß man, dass Österreich in punkto Doping keine Insel der Seeligen ist. Ermittlungen der Soko Doping und ein Geständnis der Triathletin Lisa Hütthaler sorgen 2009 für neue Erschütterungen in Österreich.
Die Ermittlungen der SoKo Doping führen erstmals in Österreich zur Verhaftung eines Sportlers wegen Dopingvergehen. Radfahrer Christoph K. wird festgenommen und sitzt in der Folge wie weitere Tatverdächtige, darunter der Sportmanager Stefan Matschiner und Ex-Langlauftrainer Walter Mayer wochenlang in Untersuchungshaft. Die Kriminalisten der SoKo vernehmen insgesamt 400 Personen, 15 sitzen vorübergehend in Untersuchungshaft.
Die Triathletin Lisa Hütthaler und Radprofi Bernhard Kohl gestehen wenig später jahrelanges Doping und belasten unter anderem Matschiner und Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann schwer. Die Ermittlungen um Blutdoping in den Jahren 2002 bis 2006 in der Wiener Plasmapherese-Station "Humanplasma" führen zu keiner Anklage nach dem Strafrecht. Im Herbst werden jedoch ein steuerrechtliches Verfahren eingeleitet und von Humanplasma Blutabnahmen bei 30 Sportlern eingestanden. Kohl und später Ex-Leichtathletin Stephanie Graf outen sich als einzige Spitzensportler als Humanplasma-Kunden. Medienberichte sprechen von bis zu 180 Betroffenen.
Die endgültige Dopingsperre von Hütthaler wird am 6. April von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) mit 18 Monaten bis 22. September 2009 festgelegt. Die Niederösterreicherin gab einen Bestechungsversuch einer Mitarbeiterin im Doping-Analyselabor Seibersdorf und jahrelanges Doping zu. Ihr Geständnis und die Zusammenarbeit mit der NADA bringt ihr eine deutliche Reduzierung der sechsjährigen Sperre ein. Der Bestechungsversuch hat weitere Folgen, Hütthaler wird im Juni deshalb zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt. Wenige Tage später folgt ihr Rücktritt, den sie im November nach Ablauf ihrer Sperre aber wieder rückgängig macht.
Kohl erklärt am 25. Mai seinen sofortigen Rücktritt vom Radsport. Der Niederösterreicher, der als Dritter der Tour de France 2008 und Gewinner des Bergtrikots bei Nachkontrollen positiv getestet worden war, hatte im Oktober 2008 nach langem Leugnen ein erstes Dopinggeständnis abgelegt und danach immer weitere Details seines jahrelangen Betruges preisgegeben. Gegen Kohl wird außerdem nach dem Anti-Doping-Gesetz ermittelt, er steht im Verdacht, dass er eine Blutzentrifuge auch anderen Dopingsündern zur Verfügung gestellt haben soll.
Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) leitet Ende Juli gegen die Tennisspielerin Tamira Paszek und den Triathleten Hannes Hempel Dopingverfahren ein. Paszek hatte auf eine Pressekonferenz von einer Eigenblutinjektion zur Schmerztherapie berichtet, im August entgeht die Vorarlbergerin trotz eines festgestellten Verstoßes gegen die Anti-Doping-Bestimmungen, die jede Zuführung von Eigenblut verbieten, mangels Verschulden einer Sanktion.
(apa/red)










