DIE MACHT DER TRIBÜNE
- Tino Teller über den Skandal im Horr-Stadion

Makaber, schlicht und einfach makaber: Dass die neonazistische Hooligan-Internationale ausgerechnet die Fantribüne des Wiener Horr-Stadions neuerdings als Tummelplatz für ihre faschistischen und rassistischen Proklamationen auserwählt haben soll, ist in der Tat eine Chuzpe. Was sich dort am vergangenen Donnerstag rund um das Europa- League-Match der Austria gegen Athletic Bilbao abgespielt hat, ist weit ärger als der mit Müh und Not gerade noch einmal verhinderte drohende Spielabbruch und die zu erwartenden Sanktionen seitens des Europäischen Fußballverbands. Dass ein paar Klubfunktionäre versucht haben, dem Schiedsrichter wegen einiger zugegeben eklatanter Fehlentscheidungen eine Teilschuld umzuhängen, macht den Skandal nur noch skandalöser.
Die faschistischen Sprechchöre und antidemokratischen Transparente wären auch ohne Platzsturm schon Grund genug für einen Abbruch gewesen. Warum gelingt den Austrianern eigentlich nicht, was dem Erzrivalen Rapid schon vor einigen Jahren gelungen ist? Nämlich einen klaren Trennstrich zu diesem Ruß unter den angeblichen Fans zu ziehen? Mit Sozialarbeitern allein, die die Austria für ihre Problemfälle beschäftigt, wird man das Problem nicht lösen können.
