Das Haus lebt wieder auf
- Heinz Sichrovsky über Peymanns Wiederkehr
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?
Peter Handke hat ein Theaterstück über Kärntner Partisanen geschrieben, Claus Peymann wird es Ende 2010 am Burgtheater herausbringen. Mit dieser Meldung erreichten wir in der Vorwoche viele maßgebliche Medien. Das war zu erwarten gewesen: Eine Handke-Uraufführung ist inmitten der nicht enden wollenden Reproduktion angestrengter halbtheatralischer Bagatellen schon fast ein Ewigkeitsversprechen. Das Faszinierendste aber waren die Emotionen, die Peymanns Rückkehr zehn Jahre nach Ende seiner Direktion auslöste. orf.at erhob das Faktum unter die Spitzenmeldungen und provozierte Postings im Umfang von neun Seiten, was etwa 320 Wortmeldungen entspricht. Sein Nachfolger hatte zehn Jahre lang einiges an Logistik darauf verwendet, den traumatisch großen Vorgänger vom Haus fernzuhalten. Doch befragte man Passanten heute nach dem Namen dieses Nachfolgers, so stellten sich die zehn Jahre vermutlich als kollektives Wahrnehmungsloch heraus. Unter der neuen Direktion bestreitet Peymann mit den ihm zugeeigneten Bernhard-Dramoletten das Silvesterprogramm, bringt im Februar seinen Berliner Richard II. und krönt die Heimkehr mit der Handke-Uraufführung. Matthias Hartmann kann sich das leisten: Er ist selbst ein Regisseur von Graden und hat das Haus aus gesichtsloser bürokratischer Exaltation ins Leben zurückgeholt. Und das binnen drei Monaten. Willkommen alle beide!

