"Die Gesamtwirtschaft war bedroht": Der
Staat darf das Hypo-Schlamassel richten
- Bis zu 450 Mio. Euro Steuergelder für Kärntner Bank
- Androsch: "Verstaatlichung nur eine Zwischenlösung"

·Das Rettungspaket für die Hypo im Detail
GRAFIK: Wer wie viele Millionen dazu beisteuert
·"Sperrt die Scheiß-
Hypo zu, Verbrecher"
Gemischte Gefühle der Kunden in den Filialen
·"Massive Gefährdung wurde vermieden"
Nationalbankgouverneur Nowotny begrüßt Lösung
"Die Verstaatlichung war eine Notwendigkeit, um größeren Schaden abzuwenden. Die Funktionstüchtigkeit der Gesamtwirtschaft war bedroht": Der Industrielle und ehemalige Finanzminister Hannes Androsch outet sich im Gespräch mit NEWS.at als überzeugter Verteidiger des staatlichen Feuerwehreinsatzes bei der Kärntner Hypo Alpe Adria. Die Rettung der von der Pleite bedrohten Tochterbank der BayernLB ist dennoch teuer erkauft: Der Staat übernimmt die Bank für drei symbolische Euro, muss aber bis zu 450 Millionen Euro zuschießen, um die Hypo vor dem sicheren Ende zu bewahren.
Nach der Verstaatlichung der Kommunalkredit hat die Republik Österreich damit nun auch bei der sechstgrößten österreichischen Bank das Sagen. Die Verantwortung für das Dilemma, in das sich die Bank selbst brachte, ortet der Grüne Werner Kogler in Kärnten - um postwendend Konsequenzen für "Haiders Beihilfstäter und Nachfolger" einzufordern.
"Ungeschoren" kommen jedenfalls weder das Land Kärnten noch die Eigentümer aus Bayern davon: Nach einer Marathonsitzung mit Finanzminister Josef Pröll verpflichteten sich BayernLB und die Minderheitseigentümer Land Kärnten und Grazer Wechselseitige zur Aufbringung der unmittelbar benötigten Soforthilfe in Höhe von insgesamt rund einer Milliarde Euro. Speziell die BayernLB wird den Einstieg bei der Hypo wohl noch länger bereuen - den bisherigen Eigentümer kostet das "Kärntner Abenteuer" einschließlich Kaufpreis und Forderungsverzicht bereits 3,7 Milliarden Euro.
Kritik an den Bayern
Verluste, die die Bayern aber nicht aus der Schusslinie bringen: "Das Verhalten der BayernLB ist scharf zu kritisieren", sagt Ewald Nowotny. Eine öffentliche Bank könne sich nicht von einer Beteiligung so einfach lossagen, so der Notenbank-Gouverneur.
Ungeachtet dessen ist ist die Übernahme der Hypo Alpe Adria für die Industrie ein erfreulicher Schritt: "In einer extrem schwierigen Situation wurde großer Schaden für den Finanz- und Wirtschaftsstandort Österreich abgewendet", lässt die Industriellenvereinigung wissen. Auch wenn "die Rettung der Hypo keine unmittelbaren Auswirkungen auf die österreichische Industrie hat, liegt es im Interesse der Wirtschaft, stabilisierte Finanzmarktverhältnisse zu haben", wie Androsch untermauert. Aber wohl nicht auf Dauer - "Die Verstaatlichung ist kein ideologisches Ziel, sondern nur eine Zwischenlösung" ist der ehemalige Finanzminister überzeugt.
(mei)
