Mittwoch, 9. Dezember 2009

Feilschen macht sich für Beamte bezahlt:
Gehaltserhöhung von 0,9 Prozent erkämpft

  • Rund 210.000 Beschäftigte von Einigung betroffen
  • Später Durchbruch in langem Verhandlungspoker

Nach wochenlangem Ringen haben sich Regierung und Beamtengewerkschaft auf eine Gehaltserhöhung für 2010 geeinigt. Die Staatsdiener bekommen 0,9 Prozent sowie einen kleinen, sozial gestaffelten Zusatzbetrag. Maximal beträgt das Gehaltsplus 1,2 Prozent. Die Regierung war zuletzt mit 0,7 Prozent in die Verhandlungen gegangen, die Gewerkschaft wollte eine Abgeltung der Inflation von 0,9 Prozent und eine Draufgabe zur Kaufkraftstärkung. Das Ergebnis ist letztlich ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können.

Das Plus von 0,9 Prozent kostet rund 99 Mio. der insgesamt 111 Mio. Euro, die ausgeschüttet werden. Die restlichen 12 Mio. Euro werden auf 210.000 öffentlich Bedienstete sozial gestaffelten verteilt. Wie die Zusatzzahlung im Detail verteilt wird, muss die Gewerkschaft erst festlegen. Sehr groß ist sie jedenfalls nicht, aufs Jahr gerechnet beträgt sie durchschnittlich etwa 57 Euro. Die Erhöhung soll am Freitag im Nationalrat beschlossen werden und mit 1. Jänner 2010 in Kraft treten. Die Metaller, die für die herbstlichen Lohnverhandlungen immer eine Richtschnur vorgeben, haben heuer zum Vergleich 1,45 Prozent (Ist-Löhne) bzw. 1,50 Prozent (Mindestlöhne) erzielt.

Zufriedene Gesichter
"Es war wichtig zu zeigen, dass mit 0,9 Prozent Erhöhung in schwierigen Zeiten der öffentliche Haushalt nicht mehr ausgibt, als er hat", zeigte sich Bundeskanzler Werner Faymann nach der erfolgreichen Verhandlungsrunde erfreut. Auch Vizekanzler Josef Pröll war zufrieden. Er betonte, dass es sich um den drittniedrigsten Abschluss der vergangenen 40 Jahre handle, sowie den niedrigsten im Vergleich mit den bisherigen Kollektivvetragsabschlüssen für kommendes Jahr. Insgesamt sei man mit der nun zu verteilenden Summe "nicht aus dem Lot" und werde der Krise gerecht.

Fritz Neugebauer, Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) erklärte: "Das ist ein Ergebnis, das wir in unseren Gremien positiv berichten können." Auch angesichts des internationalen Umfeldes sei das ein Abschluss, "der sich durchaus sehen lassen kann".

Ungewöhnlich an den heurigen Verhandlungen war, dass zwei Länder bereits im Vorfeld angekündigt haben, das Verhandlungsergebnis nicht nachvollziehen zu wollen: Salzburg und Kärnten planen Nulllohnrunden für ihre Landesbediensteten, wobei Salzburg 2011 um den österreichweiten Gehaltsabschluss für 2010 erhöhen und 2012 beide Steigerungen für 2011 und 2012 vornehmen will.

In Vorarlberg ist die Gehaltserhöhung für die Landes- und Gemeindebediensteten bereits beschlossen. Mit 0,5 Prozent liegt sie um 0,4 Prozentpunkte unter dem Ergebnis für die Bundesbeamten. Oberösterreich und Tirol kündigten an, mit dem Bund mitzuziehen.

(apa/red)

9.12.2009 19:38
hary1965, 09. 12. '09 21:40
Die Wähler möges Danken
diesen faulen Kompromis, Arbeitsplatzsicherheit, geringe Produktivität und höchste Zahl an Krankenständen, zeichnet die Beamten aus. Die nächsten Wahlen werden es zeigen was die Wähler von einer Regierung die beim ersten Lüftchen umfällt, haltet.
Rasso, 10. 12. '09 06:12
Re: Die Wähler möges Danken
Zeigen Sie mir die Arbeitsplatzsicherheit eines Vertragsbediensteten - für diese gilt der Gehaltsabschluss nämlich auch.
Marc99, 10. 12. '09 07:17
Rechtlich sind Vertragsbedienstete kündbar
Aber was glauben sie wohl - wieviel % der Privatwirtschaft-Bediensteten und wieviel % der öffentlich Bediensteten erhalten jährlich eine Kündigung? Das nächste sind die Krankenstände. Ist doch völlig logisch dass öffentl.Bediensteter beim ersten Schnupfen daheim bleibt, ist doch völlig logisch dass ein öffentl. Bediensteter in der Dienstzeit zum Arzt geht, ab einem gewissen Alter regelmäßig auf Kur fährt, etc, etc. Alles Dinge, die man sich in der Privatwirtschaft schon lange nicht mehr traut. Warum wohl nützen so Viele alle Beziehungen, Verwandtschaft, Sport, Feuerwehr, Trachtenverein, Politik um ja einen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst zu bekommen - weil es ihnen dort so schlecht geht? Weiters ist die Bezahlung bei vergleichbarer Qualifikation um mindestens 20 % höher.
lio_messi16, 10. 12. '09 08:15
Re: Die Wähler möges Danken
hary du gurke, nur keinen neid aufkommen lassen, viel spass noch bei der arbeit. ich hoffe es zieht nicht zu stark auf der baustelle, auf der du gerade arbeitest.
richard137, 10. 12. '09 10:56
Re: Die Wähler möges Danken
Ja, ist immer das selbe. Den Beamten vergönnt man nicht mal die Inflationsabgeltung. Die Beamten sind ja alle faul und nur im "Stand", und sie haben ja einen sicheren Arbeitsplatz, das sind die Argumente die man ständig hört. Entspricht aber leider schon lange nicht mehr den Tatsachen. Gut, ein paar schwarze Schafe gibts überall, aber die sind längst am Aussterben. Das Beamte keine Abfertigung bekommen, keine Arbeitslosenversicherung haben, und ein Einstiegsgehalt haben wo einen jeder aus der Privatwirtschaft nur belächelt .. davon redet niemand .. übrigens ich bin KEIN Beamter :-)
thaddaeus1947, 09. 12. '09 09:35
Die armen Beamten?
Vielleicht täte dem Herrn Neugebauer ein Wüstenurlaub einmal gut? Denn seine Gehaltsvorderungen für seine Beamten entbehren jeder Glaubwürdigkeit. .a.l.
richard137, 09. 12. '09 12:41
Re: Die armen Beamten?
Was soll das heißen, eine Gehaltsforderung von 0,9 % als Abgeltung der Inflationsrate für die Beamten sei übertrieben? Sind die Beamten denn Schuld an der Wirtschaftskrise? Doch wohl eher nicht, aber da der Staat nur Geld für die Banken übrig hat, muß man das bei den Beamten natürlich wieder einsparen. Ich würde aber trotzdem Herrn Neugebauer vorschlagen, endlich von den %-Lohnforderungen abzurücken und einen Fixbetrag für alle Beamten/VB im Staatsdienst einzuführen. So würden die unteren Gehaltsschichten auf jeden Fall viel mehr profitieren, und die Kluft zw. Arm und Reich würde nicht jedes Jahr größer. Denn es ist nicht einzusehen warum die Ober-Beamten um so viel mehr bekommen sollen wie die unteren Einkommen. Im Supermarkt zahlt ja auch jeder den gleichen Preis ..