Montag, 7. Dezember 2009

Herren sieglos: Elisabeth Görgl rettet die magere Weltcup-Bilanz des ÖSV in Übersee

  • Nach Nordamerika-Tour wartet spannender Winter
  • Schweizer rütteln an österreichischer Vorherrschaft

Elisabeth Görgl hat verhindert, dass Österreich Ski-Asse die zweiwöchige Nordamerika-Ski-Tournee sieglos beendet haben. Die 28-jährige Steirerin musste dafür aber in Lake Louise mit ihrem ersten Sieg im Super-G und dem ersten für die ÖSV-Damen seit 22 Monaten den Siegeslauf von Lindsey Vonn beenden. Mit dem einzigen ÖSV-Sieg in zehn Rennen auf nordamerikanischem Schnee hat Görgl damit maßgeblich beigetragen, dass im letzten Moment auch noch um knappe 24 Punkte die Führung in der Nationenwertung nach Österreich zurückgeholt wurde.

Dieser Wertung wurde in den vergangenen Jahren kaum noch Beachtung geschenkt, weil sie seit fast 20 Jahren stets nach Österreich gegangen war. Sie ist aber das sichtbarste Dokument starker Verbandsarbeit, weshalb die Schweiz die Rückeroberung dieser Trophäe auch mit einem Extraposten budgetiert hat. ÖSV-Herrenchef Toni Giger findet daran Gefallen, obwohl seine Herren derzeit nur noch klare Nummer zwei sind: "Super, endlich ist das wieder was wert. Wir haben den Cup jahrzehntelang gewonnen und niemand hat es interessiert", freut sich der Salzburger schon auf den endlich wieder entflammten "Länderkampf" gegen de Erzrivalen Schweiz.

Während die ÖSV-Damen neben dem Görgl-Sieg in Kanada noch drei weitere Podiumsplatze durch Kathrin Zettel und Marlies Schild in Aspen eroberten, mussten sich die in Lake Louise und Beaver Creek sieglosen Herren mit drei mageren Podestplätzen zufriedengeben. Für zwei sorgte alleine Benni Raich, der sowohl im Super-G von Lake Louise als auch im Riesentorlauf von Beaver Creek Platz zwei belegte und damit dem nach sieben Saisonrennen überlegen führenden "Überflieger" Carlo Janka auf den Fersen blieb.

Weitere Siegmöglichkeiten vergab vor allem Abfahrer Michael Walchhofer, der in Kanada (4.) von einer gebrochenen Skischuhschnalle und in Beaver Creek (5.) von einer falschen Skiwahl gebremst wurde. "Der Anspruch ist höher", meinte der krankheitsbedingt daheimgebliebene Abfahrtscoach Andi Evers. "Aber dadurch geht die Welt nicht unter."

Viele schwere Stürze und Verletzte
Für die Schattenseiten sorgten zu Saisonbeginn die anhaltenden schweren Sturz-Verletzungen. Thomas Lanning (USA) und John Kucera (CAN) in Beaver Creek sowie der Franzose Pierre-Emmanuel Dalcin und die beiden Österreicher Max Franz (Kreuzbandriss) und Rainer Schönfelder (Meniskusschaden) in Beaver Creek waren dabei nur die heftigsten Fälle. Nun soll ein Dringlichkeitsmeeting der Trainer-Arbeitsgruppe herausfiltern, was die Gründe dafür sind. "Wir verlieren derzeit pro Wochenende ein bis zwei Fahrer", alarmierte Hujara.

Richtungsweisend war bei der Nordamerika-Tournee freilich auch die Überlegenheit der Schweizer Herren. Obwohl Daniel Albrecht sein Comeback verschoben hat, sorgten vor allem der junge Janka mit seinem Triple in Beaver und der unverwüstliche Didier Cuche dafür, dass die Eidgenossen fünf der bisher sieben Weltcuprennen gewonnen haben und die Mannschaftswertung klar anführen. "Es tut mir leid für die Österreicher. Ich weiß ja bestens wie es ist, hinten zu sein", meinte Cuche augenzwinkernd.

Nicht nur Giger ist aber überzeugt, dass sich das wieder drehen wird. "Ihr seid ja schon wie die Bayern. Wenn die dreimal verlieren, glauben auch alle, der Meistertitel ist weg", ulkte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. "Keine Panik, über kurz oder lang setzten sich die Österreicher doch wieder vorne fest!" Dass wie vom steirischen Erfolgstrainer bei den Schweizern Sepp Brunner vermutet in Österreich den Jungen zu lange der Weg nach oben verstellt gewesen sei, dementierte Giger aber heftigst.

(apa/red)

7.12.2009 11:15