Bayern hat sich in Louis van Gaal verliebt:
Breite Brust nach Einzug ins Achtelfinale
- Rummenigge: "Das war eine magische Nacht"
- Italiens Presse zerlegt abgehalfterte "Alte Dame"
Tormann Butt traf schon drei Elfmeter gegen Juve

Deutschlands Fußball-Flaggschiff Bayern München darf man offenbar nie abschreiben. Mit dem bedeutendsten Erfolg unter seiner Regentschaft führte Louis van Gaal die Münchner in Turin zu einem 4:1 über Juventus und damit doch noch ins Achtelfinale der Champions League. Selbst der knorrige Trainer taute da auf, lachte und posierte strahlend für Fotos mit Fans. "Niemand hat das erwartet, dann sind die Siege noch schöner", sagte Van Gaal, der wie von Zentnerlasten befreit und beinahe gelöst wirkte.
Schon zur Pause, als man beim Stand von 1:1 noch ausgeschieden war, war der Coach begeistert gewesen. "Ich habe nach der ersten Hälfte nichts gesagt, nur super, super, so müssen wir weiterspielen", meinte Van Gaal. Nach der Sternstunde in Turin schweben die in der Königsklasse bereits gefährlich nahe vor dem Aus gestandenen Bayern wieder auf Wolke sieben. "Das war eine magische Nacht, ein historisches Ereignis", schwärmte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der Demütigung für Italiens Rekordmeister.
Geburtsstunde einer Sieger-Mannschaft?
Die beste Saisonleistung der auch ohne Franck Ribery brillierenden Bayern wurde als mögliche Geburtsstunde einer Sieger-Mannschaft gefeiert - und als Durchbruch für Trainer Van Gaal. Dem "lieben Louis" gönnte Rummenigge zur Feier des Tages "das eine oder andere Glas Rioja". Turin soll nach holprigen Anfangsmonaten unter dem 58-Jährigen eine Initialzündung gewesen sein. "Die ganze Welt hat dieses Spiel geguckt und gesehen, dass der FC Bayern noch guten Fußball spielen kann", erklärte Torschütze Ivica Olic, der die Juve-Defensive unermüdlich vor ernste Probleme gestellt hatte.
Auch vom Schock des frühen Rückstandes durch David Trezeguet (19.) hatten sich die Gäste nicht irritieren lassen. Vielmehr schlugen sie vor 27.000 Zuschauern im Stadio Olimpico durch den verwandelten Elfmeter von Torhüter Hans-Jörg Butt (30.) sowie Treffer von Olic (52.), Mario Gomez (83.) und Anatoli Timoschtschuk (92.) triumphal zurück. Es war neben dem 0:3 gegen Manchester United 2003 die höchste Heimniederlage von Juventus im Europacup überhaupt und die erste in der "Königsklasse" nach elf Siegen und fünf Remis.
"Vier Ohrfeigen für Juve!"
Die an diesem Abend abgehalfterte "Alte Dame" musste sich deshalb Spott und Hohn vonseiten der italienischen Gazetten gefallen lassen. "Vier Ohrfeigen für Juve! Ein totaler Zusammenbruch. Juve wurde überrollt und rausgeworfen", urteilte der "Corriere dello Sport" und "Tuttosport" machte bereits gegen Coach Ciro Ferrara mobil: "Ferrara hat dem Team keine Spielkultur gegeben. Juve wurde von den Bayern gedemütigt." Erneut wurde Italiens Teamchef und Ex-Juve-Coach Trainer Marcello Lippi mit den Turinern in Verbindung gebracht, er soll den Club von Alexander Manninger nach der WM-Endrunde im Sommer übernehmen.
Für die Bayern wird indes das Achtelfinale, wo einer der Gruppenersten wartet, zur nächsten großen Reifeprüfung. "Wir kriegen einen Kracher", sagte Rummenigge mit Blick auf mögliche Gegner wie Real Madrid, Manchester United, Chelsea oder Arsenal. Fürchten aber müssten die Bayern niemanden, meinte Stefan Effenberg. "Wer soll sie stoppen, wenn Franck Ribery mit hundert Prozent zurückkommt?", sagte der Kapitän der Münchner Champions-League-Siegerelf von 2001.
Elferspezialist Butt
Und Butt tönte, ganz dem Bayern-Stil verhaftet: "Die Mannschaften, die die Gruppenphase überstehen, können auch ins Finale kommen." Der Tormann ist spätestens seit Dienstag der Schrecken Juves. Butt verhandelte bereits zum dritten Mal im Europacup eine Elfmeter gegen die Azzurri. 2000 tat er dies als Schlussmann des Hamburger SV und zwei Jahre später als Torhüter von Bayer Leverkusen.
(apa/red)











