Sonntag, 13. Dezember 2009

Neuerlicher Triumph für Michael Haneke:
Europäischer Filmpreis für "Das weiße Band"

  • Film holt sich drei von vier möglichen Auszeichnungen
  • Kate Winslet wurde als beste Schauspielerin geehrt

Der österreichische Regisseur Michael Haneke hat bei den 22. Europäischen Filmpreisen triumphiert. Für das Drama "Das weiße Band" erhielt Haneke in der Bochumer Jahrhunderthalle die Preise für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch von der European Film Academy (EFA). Der Filmemacher bedankte sich laut seinem Produzenten Veit Heiduschka im Rahmen der Gala für eine "besondere Auszeichnung". "Das weiße Band", eine majoritär deutsche Produktion, wurde im Mai bereits mit der Goldenen Palme des Festivals in Cannes ausgezeichnet.

"Wir haben den Hattrick", freute sich Heiduschka im Gespräch mit der APA, "mehr kann man nicht wollen." Haneke selbst war unmittelbar nach der Festveranstaltung noch mit dem Protokoll des Geehrten beschäftigt. "Wir haben eher damit gerechnet, dass man uns lobend erwähnen wird - aber das war absolut nicht zu erwarten und ist doch außergewöhnlich", sagte der Produzent, der den Film gemeinsam mit der deutschen X Filme Creative Pool, der französischen Les Films du Losange und der italienischen Lucky Red als Partner produziert hat. "Für Österreich ist das eine sehr erfreuliche Situation." Ins Rennen um den Auslands-Oscar wurde "Das weiße Band" jedoch von Deutschland geschickt.

"Europäischer Oscar"
In seinem jüngsten Film erzählt Haneke die Geschichte seltsamer Unfälle und brutaler Angriffe in einem norddeutschen Dorf in den Jahren 1913/14. Sein Drama geht den Ursachen von Terror und Gewalt auf den Grund und zeigt autoritäre Strukturen in Familien und der Dorfgemeinschaft. Der Film galt schon vorweg als einer der Favoriten auf den "europäischen Oscar", wie der Europäische Filmpreis in Anlehnung an den wichtigsten US-Filmpreis genannt wird, und verwies laut EFA u.a. "Fish Tank", "Un Prophete", "Slumdog Millionär", "So finster die Nacht" und "Der Vorleser" auf die Plätze.

Im Rennen um die beste Regie setzte sich Haneke gegen Pedro Almodovar, Andrea Arnold, Jacques Audiard, Danny Boyle und Lars von Trier durch. Um den Triumph perfekt zu machen, erhielt der Regisseur auch noch die Auszeichnung als bester Drehbuchautor. Nur in der Kategorie der besten Kamera, für die "Das weiße Band" ebenfalls nominiert war, setzte sich Anthony Dod Mantle gegen den Österreicher Christian Berger durch. Mantle hatte sowohl in "Antichrist" als auch in "Slumdog Millionaire" für die Bilder verantwortlich gezeichnet.

Auszeichnung für Kate Winslet
Als bester Schauspieler wurde Tahar Rahim für seine Rolle im Gefängnisdrama "Un Prohpete" von Jacques Audiard geehrt, den Preis für die beste Schauspielerin erhielt Kate Winslet für ihre Rolle als KZ-Aufseherin in "Die Vorleserin". Ehrenpreise erhielten der britische Filmemacher Ken Loach und die französische Schauspielerin Isabelle Huppert. Unter die illustren 1.400 Gäste der Gala hatten sich u.a. Oscarpreisträger Danny Boyle und Schauspieler wie Ben Kingsley, Hannelore Elsner und Moritz Bleibtreu. Moderiert wurde der Abend von der deutschen Komödiantin Anke Engelke.

(apa/red)

13.12.2009 18:53


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