Mittwoch, 9. Dezember 2009

Christoph Schlingensief über seinen Kampf mit dem Krebs & seinen Glauben

  • NEWS traf den deutschen Künstler und Regisseur
  • Schlingensief zu einem sehr bewegenden Interview

Viele hätten angesichts solcher Dia­gnosen schon vor Gott und der Welt kapituliert. Nicht so der deutsche Regisseur und Künstler Christoph Schlingensief, 49. Im Jänner 2008 ­erkrankte er an Lungenkrebs. Nach vor­übergehender Besserung traten im Sommer 2009 neue Metastasen auf. Die wurden therapeutisch beseitigt, sagt Schlingensief. Am 18. Dezember liest er im Akademietheater aus dem Tagebuch seiner Krebserkrankung „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“ (KiWi, 19,50 Euro) und ­erzählt von seinem Operndorf-Projekt in Afrika. In einem bewegenden NEWS-Interview spricht er über seinen neuen Weg zum Glauben, seine Krankheit und sein Stück „Sterben lernen“, das in Zürich urauf­geführt wurde.

NEWS: Wie geht es Ihnen? Sie klingen gestärkt. Und das nach zwei sehr aufwendigen Aufführungen in Zürich.
Schlingensief: Mir geht es sehr gut. Im ­Moment habe ich eine gute Zeit. Die Metastasen sind dank der Tablette „Tarceva“ wieder weg. Ich habe zwar nicht das ­Arbeitstempo wie früher. Und manchmal bin ich etwas trauriger. Aber ich habe mehr Distanz zu vielen Dingen, und daher arbeite ich auch konkreter und effektiver.

NEWS: Ihre Arbeit heißt „Sterben lernen“. Bei so einem Titel bekommt man wirklich Angst um Sie.
Schlingensief: Die Figur in meinem Stück heißt auch Andersen. Das heißt, es ist ­jemand anderes. Es geht nicht um mich. Und es geht dabei nicht mehr um den Krebs. Es geht um die nächste Ebene, nämlich darum, was passiert, wenn man schon einmal in den Abgrund geblickt hat. Und woran man denkt, wenn man dann wieder unterwegs ist. Es geht um den Glauben. Ich habe mich gefragt, warum ich kein Vertrauen in die großen Kirchen habe. Die Antworten fand ich bei Meister Eckhart und Cusanus. Und so kann ich mich konkreter mit Glauben und Gott auseinandersetzen. Ohne diese Krankheit wäre ich dort nie hinge­kommen. Und deshalb bin ich erst mal sehr guter Dinge. Es gibt für mich neue Themen. Und die führen mich vor allem philosophisch weiter.

NEWS: Haben Sie den Krebs überstanden?
Schlingensief: Das würde ich niemals sagen. Man muss da vorsichtig sein. Ich habe das Glück, dass die Tablette wirkt. Es ist ein Wunder, dass die Schulmedizin so etwas geschafft hat. Aber dieses Medikament wirkt nur bei fünf bis zehn Prozent aller Krebspatienten. Man muss immer Kontrollen machen. Und natürlich habe ich noch immer Angst, dass alles wieder anders wird. Als im Sommer wieder Metastasen auftauchten, bin ich sehr erschrocken. Aber damit muss man leben.

(Susanne Zobl)

Das ausführliche und sehr bewegende Interview mit Christoph Schliengensief lesen Sie jetzt in NEWS 50/09

9.12.2009 15:18

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

Regie: Barry Sonnenfeld

Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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