Erwin Pröll appelliert an die Volkspartei:
"Wäre fatal, nicht bei der Wahl anzutreten"
- NEWS: Fordert einen ÖVP-Kandidaten für die Hofburg
- "Bedenklich, die Demokratie auf Geld zu reduzieren"

·Fischler: 'Von mir gibt es ein klares Nein'
FORMAT: Kein Antreten
bei Präsidentenwahlen
·Prominente setzen sich für Fischer ein
Lohner, Portisch und Co. machen bei Komitee mit
·Heinz Fischer will es
noch einmal wissen
Bundespräsident stellt
sich erneut der Wahl
Das taktische Kalkül der SPÖ, im Sog eines fulminanten, weil bislang gegnerlosen Wahlsieges von Bundespräsident Heinz Fischer nur eine Woche später bereits die Landtagswahlen im Burgenland anzusetzen, hat die ÖVP aufgeweckt. Der parteiinterne Druck auf Vizekanzler Josef Pröll, im Jänner doch noch einen Gegenkandidaten zu Fischers Hofburg-Solo zu nominieren, steigt im Tagestakt. Pikant: Just Prölls Onkel, Niederösterreichs LH Erwin Pröll, rät seinem Neffen im Gespräch mit NEWS dringend, der SPÖ das Hofburg-Match keinesfalls kampflos zu überlassen.
NEWS: Der Wahlreigen beginnt im April mit der Bundespräsidentenwahl. Die ÖVP hat noch immer nicht entschieden, ob sie überhaupt wen ins Hofburg-Rennen schickt.
Pröll: Für eine staatstragende Partei, die sich anschickt, spätestens 2013 den Bundeskanzler zu stellen, wäre es fatal, bei der Bundespräsidentenwahl nicht anzutreten. Es darf nicht sein, dass die ÖVP acht Wochen lang in einem österreichweiten Wahlkampf faktisch nicht präsent ist! Dies eröffnete alle möglichen Chancen für das Wählerpotenzial der FPÖ, für einen anderen bürgerlichen Kandidaten.
NEWS: Ihr Neffe, der Parteichef, muss also wen nominieren?
Pröll: Meine Meinung dazu ist klar. Aber es gibt auch andere, etwa exponierte ÖVP-Verantwortungsträger, die den amtierenden Bundespräsidenten über den grünen Klee loben das ist deren sehr persönliche Sache. Es kann doch nicht sein, dass man deswegen, weil man mit dem Bundespräsidenten Auslandsreisen unternimmt oder mit ihm nett zu Mittag oder zu Abend isst, schon das Amt als ausgefüllt ansieht.
NEWS: Hat die ÖVP eigentlich wen, der einem Hofburgprofil entsprechen könnte?
Pröll: Auf alle Fälle! Es muss doch Persönlichkeiten in der Republik geben, mit denen ein Staat zu gewinnen ist, im wahrsten Sinne des Wortes.
NEWS: Sie selbst haben verzichtet, weil Teile der Partei, auch aus finanziellen Gründen, keine Kandidatur wollen. Soll die ÖVP kandidieren, obwohl es keine Wahlkampfkostenrückerstattung gibt?
Pröll: Diese Entscheidung liegt ausschließlich an der Bundesparteizentrale. Ich gebe keine Ratschläge. Ich meine nur, je länger zugewartet wird, desto schwieriger wird es, dem amtierenden Bundespräsidenten Paroli bieten zu können. Außerdem wäre es äußerst bedenklich, die Demokratie auf Geld zu reduzieren.
NEWS: Ist für die ÖVP der Zug nicht schon abgefahren? Das Burgenland wählt nur eine Woche später, offensichtlich will die SPÖ im Sog eines Fischer-Wahlsieges drei Landeshauptleute zum Sieg tragen.
Pröll: Die Festlegung des Burgenlands, unmittelbar nach der Hofburg-Wahl die eigene Landtagswahl abzuhalten, ist der schlagende Beweis dafür, dass die SPÖ die Bundespräsidentenwahl als eine parteipolitisch hochsensible Wahl deklariert. Und der Beweis, dass Fischer als extremer Parteikandidat behandelt und gehandelt wird. Es ist strategisch auf der Hand liegend, dass die SPÖ auch in den folgenden nächsten zwei Wahlgängen, in Wien und der Steiermark, wann immer diese kommen, erneut den Sog aus der Hofburg-Wahl nützen will. Das ist die strategisch äußerst sensible Situation, die jetzt für die Bundes-ÖVP gegeben ist.
NEWS: Angesichts dieser Ihrer Warnung ist vielleicht Ihr Verzicht vom Verzicht noch möglich, sodass Sie sich im Jänner doch noch für die Hofburg-Kandidatur entschließen, um die ÖVP und Ihren Neffen 2010 vor dem Absturz zu bewahren?
Pröll: Das kommt doch überhaupt nicht infrage! Bei mir ist ein Ja ein Ja, und ein Nein bleibt ein Nein!
(Hubert Wachter)
Wie hoch Erwin Pröll die Kanzlerchancen seines Neffen Josef einschätzt, erfahren Sie im NEWS 50/09
