Mittwoch, 9. Dezember 2009

Lump, Trottel, Spinner und Hohlkopf: NEWS
hat die tiefen Sprüche aus dem Hohen Haus

  • Im Parlament geht die gute Kinderstube oft verloren
  • Derbe Beleidigungen bis zu humoristischen Talenten

Sie sind ein bisserl wo angrennt!“ „Warum reden Sie so einen Blödsinn?“ „Faschist!“ „Falschspieler!“ „Hohlkopf!“ „Sie sind für mich im Sternzeichen Krokodil: eine große Papp’n und ein kleines Hirn.“ „Er soll die Pappen halten, der Schwimmer!“ „Schweige, Lump!“ „Trottel!“ „Spinner!“ Keine Schimpftiraden am Stammtisch, kein wüster Tumult am Kirtag. Weit gefehlt. Alle Zitate stammen von Abgeordneten im Nationalrat, gedankenlos gesprochen, zornig gebrüllt, rüde geflucht im Hohen Haus.

Dort, wo die Damen und Herren Volksvertreter die parlamentarische Demokratie repräsentieren und höchste Würde wahren müssten. Was manchen offensichtlich schwerfällt. Vergisst ein Mandatar seine gute Kinderstube und schmettert eine der genannten Beleidigungen gegen Kollegen, erhält er von jenem Parlamentspräsidenten, der gerade Vorsitz führt, einen „Ordnungsruf“. NEWS hat den Index aller jemals gefallenen Ausdrücke, die zu einem Ordnungsruf geführt haben.

Freilich blitzt ab und zu auch humoristisches Talent auf. Stadler charakterisiert diverse Abweichungen vom normalen Sprachgebrauch ohnehin als „schöpferischen“ Konflikt. Der rote Klubchef Josef Cap entsinnt sich „durchaus pointierter und geistvoller“ Zwischenrufe – und mahnt dennoch: „Alle 183 Abgeordneten müssen besser werden und interessiert sein, im Wettbewerb mit politischen Ideen zu punkten.“ Schließlich soll er nicht lachen, der Mann auf der Straße oder, besser, vor dem TV-Gerät. Glaubwürdigkeit und Kompetenz der Politiker werden ohnehin permanent angezweifelt. Caps ÖVP-Pendant Karlheinz Kopf plädiert deshalb für ein bisschen Frieden im Hohen Haus, denn: „Das Feedback der Menschen draußen ist äußerst negativ.“ Den tatsächlichen Wert von Ordnungsrufen erläutert SPÖ-Mann Christoph Matznetter mit einem Schuss Ironie: „Wird ein Wort wie ‚dumm‘ auf den Index gesetzt, sucht man nach Umschreibungen wie ‚unintelligent‘. Das hebt das Sprachniveau. Abgesehen davon lesen viele Redner artig vom Blatt ab. Die muss man durch Zwischenrufe zu Spontanität animieren.“

Lesen Sie mehr dazu im aktuellen NEWS 50/09!

9.12.2009 12:21