Aus und Dubai: Das Wüsten-Wunderland
ist finanziell und moralisch abgebrannt
- NEWS aus dem Bankrott-Staat am persischen Golf
- Immobilienblase des Emirats ist in Etappen geplatzt
Sheikh Zayed Road, Exit 399: Der Plastik Beach Club, unten am zwölfspurigen Hafen-Highway, ist eine Art Ballermann für Betuchte. Seinen Namen hat er von den perfekt getunten Models, die hier zum Sunset per Helikopter einschwebten. Und seinen Ruf von den Zutrittskriterien, welche die Dubai Press festlegte: Exclusively for the Filthy Rich and Aesthetically Perfect nur für Stinkreiche und Sexbomben. Die wenigen, die hier noch schunkeln, tanzen am Abgrund. Denn die Stinkreichen sind längst auf der Flucht.
Das Wüsten-Wunderland ist abgebrannt. Nicht nur finanziell, sondern auch moralisch. Das Emirat mit seinen gerade einmal 1,8 Millionen Einwohnern (davon 1,5 Millionen in der Stadt Dubai, davon ein Drittel Ausländer) stand jahrzehntelang für ungebremstes Wachstum, bauliche Superlative und west-östliche Dekadenz zwischen Vuitton und Wasserpfeife.
Zu Beginn der Vorwoche, kurz vor dem mehrtägigen islamischen Opferfest, schließlich so was wie der Beginn der echten Eiszeit: Shut up! Zunächst beschied Staatschef Mohammed bin Raschid Al Maktum den nörgelnden arabischen Nachbarn, die Dubai am Rande des Bankrotts wähnten, auf einer Investorenkonferenz noch, sie mögen tunlichst schweigen.
Doch kurz darauf musste der stolze Wüstensohn ziemlich kleinlaut einlenken und namens der Heimat um Zahlungsaufschub bis zum nächsten Mai betteln.
Riese in der Krise
Mit 80 Milliarden US-Dollar steht das orientalische Ex-Zauberreich in der Größe des Burgenlandes international in der Kreide. Allein Dubais weitverzweigte Staatsbetriebe, allen voran die Dachholding Dubai World und deren Immobilientochter Nakheel, sind mit 60 Milliarden verschuldet. Nicht einmal ein vergleichsweise mickriges Darlehen von 3,5 Milliarden Dollar, das dieser Tage fällig wäre, kann rückerstattet werden.
Der Scheich handelt jetzt wie ein strenger Vater, der seinen Kindern gesagt hat, dass er die Schulden für ihre Luftschlösser nicht mehr begleichen will, analysiert der von Doha aus operierende Wiener Finanzexperte Gordian Gaeta nüchtern. Und tatsächlich: Dubais architektonische Fantastereien, allesamt in Kooperation zwischen der Staatstochter Na kheel und findigen Fondsbetreibern aus dem Westen erdacht und noch vor Baustart verscherbelt, sind kaum mehr als heiße Luft: Ein über tausend Meter hoher Büroturm, unter anderem als himmelsnaher Repräsentationssitz für Nakheel selbst projektiert kurz nach dem Spatenstich schubladisiert! Die Niki-Twintowers, für die eine deutsche Fondsgesellschaft in besseren Tagen generös Laudas Namen einkaufte nach zwei Jahren nicht mehr als eine düstere Baugrube! Die Palm Islands, drei gigantische, ins Meer transferierte Sanddünen mit Luxus- Bungalows noch zu einem Gutteil unbebaut! Das Megaprojekt The World, ein der Weltkarte nachempfundenes künstliches Inselreich noch gänzlich immobilienfrei!
Virtuelles Wohnen
Es sind keine Schüsse, die unser Mann am Golf da hört. Es ist eine gigantische Immobilienblase, die in Etappen platzte: Erst kamen die, die bauten. Dann kamen die, die bauten, um zu verkaufen. Doch letztendlich kamen die, die nur verkauften, ohne zu bauen. Die virtuelle Wohnträume noch lange vor ihrer Fertigstellung mit gigantischen Renditen weitervercheckten. Die Preise stiegen ins Unermessliche. Dann fielen sie ins Bodenlose
Noch vor einem Jahr standen, global betrachtet, 20 Prozent aller Baukräne in Dubai. Jetzt stehen in Dubai 40 Prozent aller Bauprojekte still. Auch wenns schmerzt was jetzt folgt, ist eine überfällige Flurbereinigung, eine Trennung zwischen Spreu und Weizen, meint Klaus Eidelpes, Chef des in Dubai stationierten Waagner-Biro-Ablegers. Der Weizen bleibt in der Wüste. Die Spreu nimmt den Weg zum International Airport. One way, nix wie weg.
Lesen Sie die ganze Geschichte im aktuellen NEWS 49/09!


