Klimakonferenz in Kopenhagen gestartet:
Ringen um die Zukunft des blauen Planeten
- Vertreter aus 192 Staaten suchen nach einer Lösung
- Dringender Appell: "Zeit für bloße Worte ist vorbei"
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nur noch bis 2014 möglich

Ringen um die Zukunft des Planeten: Mit einem eindringlichen Appell, die Erderwärmung gemeinsam zu bremsen, hat in Kopenhagen der größte Klimagipfel aller Zeiten begonnen. Die Zeit für bloße Worte sei vorbei, sagte UNO-Klimachef Yvo de Boer in seiner Eröffnungsrede. Er forderte verbindliche Klimaschutzziele und eine sofortige Finanzzusage über zehn Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) jährlich von 2010 bis 2012 für die armen Länder.
Bis zum 18. Dezember kämpfen Regierungsvertreter aus 192 Staaten um weitreichende Klimaziele. So viele Länder wie nie zuvor haben Vorschläge vorgelegt, um ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren oder zu bremsen. Ob dies für eine Einigung reicht, ist zweifelhaft.
Fortschritte in den USA
Eine potenziell weitreichende Entscheidung wurde in Washington getroffen: US-Präsident Barack Obama kann künftig notfalls auch ohne Zustimmung des Kongresses den Ausstoß von Kohlendioxid regulieren. Die Umweltbehörde EPA stufte Treibhausgase offiziell als "gesundheitsschädlich" ein. Diese bereits seit dem Frühjahr erwartete Definition gibt der Regierung das Recht, Emissionen eigenständig auf der Basis des "Clean Air Act", eines Umweltgesetzes von 1990, zu begrenzen.
Theoretisch könnte die EPA-Entscheidung es Obama ermöglichen, Klimaschutz-Bestimmungen in Kraft zu setzen, die das Abgeordnetenhaus bereits verabschiedet hat, der Senat bisher aber nicht. Dort hängt die entsprechende Gesetzesvorlage seit längerem fest, und ein Votum wird nicht vor dem Frühjahr erwartet. Obama hat aber bereits erklärt, dass er nicht am Kongress vorbei handeln wolle.
Der Klimagipfel sei eine herausragende Chance - die Welt könne sich nicht erlauben, sie zu verpassen, sagte der dänische Regierungschef und Gastgeber Lars Lökke Rasmussen. Er schwor die Verhandlungspartner aus aller Welt auf "schwierige, aber notwendige Entscheidungen" ein. "Ein Abkommen ist in Reichweite", sagte er. UNO-Klimachef de Boer wies auf die Dringlichkeit einer Einigung hin: "Die Uhr ist abgelaufen." Der Chef des Weltklimarates, Rajendra Pachauri, untermauerte diesen Appell mit wissenschaftlichen Daten. Im 20. Jahrhundert sei die Durchschnittstemperatur bereits um 0,74 Grad gestiegen, der Meeresspiegel um 17 Zentimeter. Sollte das Grönland-Eis schmelzen, könnte er um sieben Meter klettern. Daher müsse die Erderwärmung auf 2 bis 2,4 Grad begrenzt werden.
Finanzzusagen für Entwicklungsländer
Die Konferenz ringt auch um ausreichende Finanzzusagen, damit sich Entwicklungsländer an den Klimawandel anpassen können, und technische Hilfen für eine klimafreundliche Entwicklung. Zudem wird vorgeschlagen, dass Länder mit großen Urwaldgebieten Geld für deren Schutz erhalten. In Brüssel verlautete aus Diplomatenkreisen, dass die EU sieben Mrd. Euro als Soforthilfe für die Entwicklungsländer auf den Tisch legen könnte. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel forderte aber im Gegenzug auch mehr Anstrengungen dieser Staaten bei der Eindämmung der Treibhausgas-Emissionen. "Insbesondere Länder wie China und Indien" müssten "noch zulegen", sagte Merkel.
Österreich erhielt gleich am ersten Gipfeltag einen "Negativpreis" der Umweltorganisationen GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF, weil es eine gemeinsame Position der EU-Staaten für die Anrechnung von Wald als Klimaschutz blockiert habe. Den "Fossil of the Day"-Preis, der täglich verliehen werden sollte, teilte sich Österreich mit Finnland und Schweden.
Einer Umfrage für die britische BBC zufolge sieht eine deutliche Mehrheit der Menschen weltweit die Erderwärmung als wichtiges Thema, dem sich die Regierungen annehmen müssen. Die in 23 Ländern erhobenen Daten zeigen, das 64 Prozent der Befragten den Klimawandel als "ernstes Problem" ansehen. 1998 waren demnach nur 44 Prozent dieser Ansicht. In einem gemeinsamen Kommentar von über 50 Zeitungen in Europa, Afrika, Asien und Amerika hieß es, der Wandel hin zu einer umweltschonenderen Gesellschaft werde viel Geld kosten, aber viel weniger als die Rettungsaktionen für die Banken.
15.000 Teilnehmer
Der Ansturm auf die dänische Hauptstadt ist enorm: Zur Konferenz sind nach Angaben der Organisatoren mehr als 15.000 Teilnehmer aus aller Welt angereist. Eigentlich hatten 34.000 Menschen dabei sein wollen, viele von ihnen mussten abgewiesen werden. Präsidentin der Klimakonferenz ist die dänische Klimaministerin Connie Hedegaard. In der zweiten Woche des Gipfels werden 110 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen erwartet, darunter auch US-Präsident Barack Obama. Seine Ankündigung, entgegen ersten Planungen doch zu den Abschlussverhandlungen zu kommen, hatte neue Hoffnungen auf eine Einigung geweckt.
Wie dringend etwas getan werden muss, zeigten zwei wissenschaftliche Studien, die am Montag öffentlich wurden. Ein britisches Forscherteam von der Universität Bristol kommt zu dem Schluss, dass die Temperatur um 30 bis 50 Prozent stärker auf zusätzliches Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre reagieren wird, als es der Weltklimarat berechnet hat. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Martin Vermeer von der Technischen Universität Helsinki berechneten, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu 1,9 Meter steigen könnte - deutlich schneller als erwartet.
(apa/red)
