NEWS undercover bei den Freiheitlichen:
Reporterin Veronika Dolna im Interview
- Ein Forum, um "rassistische Gefühle auszuleben"
- "Vergessen Sie nicht, dass alle Moslems uns anlügen"

·"Um rassistische Gefühle auszuleben"
NEWS-Reporterin
Dolna im Interview
·Warum wir Straches Wunsch abschlugen
A. Athanasiadis: NEWS undercover bei der FPÖ
·So lädt Strache zu seinen Hass-Events
Persönliche Einladung
zu "Top Seminaren"
·NEWS-Anzeige gegen
Sabaditsch-Wolff
Islam-Expertin wegen Verhetzung angezeigt
NEWS: Wie sind Sie zu dem Islam-Seminar der FPÖ-Parteiakademie gekommen?
Veronika Dolna: Ich wurde von H.C. Strache quasi persönlich dazu eingeladen: Im Sommer bekam ich, genau wie viele andere junge Österreicher, ein Programmheft des FPÖ-Bildungsinstitutes zugeschickt. In einem Brief von H.C. Strache machte er Werbung für die Seminare der Freiheitlichen Parteiakademie. Also habe ich mir das komplette Seminarangebot angeschaut und mich für das Islam-Seminar von Sabaditsch-Wolff angemeldet. Ich wollte unbedingt wissen, was die FPÖ nach einem "Abendland in Christenhand"-Wahlkampf über den Islam erzählt.
NEWS: Was wurde dort vermittelt?
Dolna: Die Seminarleiterin erhob zwar den Anspruch, die "Grundlagen des Islams" zu lehren, aber in Wahrheit hetzte sie vier Stunden am Stück gegen Moslems. Sie stellte brutale Thesen auf wie "Moslems töten oder vergewaltigen Kinder wegen der Religion" oder "Wir werden alle tagtäglich von den Muslimen belogen, weil das ihre religiöse Pflicht ist." Dazu brachte sie willkürliche Zitate aus Koran, mit denen Sie ihre Aussagen belegen wollte. Es machte den Eindruck als hätte sie mit einem Leuchtmarker die zwanzig Stellen aus dem Koran markiert, die man feindselig deuten könnte, und die ganze Religion darauf reduziert.
NEWS: Wie war die Stimmung im Seminar?
Dolna: Außer mir waren nur FPÖ-Parteimitglieder und Sympathisanten dort, die zuerst verhalten, später immer lautstärker der Seminarleiterin voll und ganz zustimmten. Lernen wollte dort, glaube ich, niemand wirklich etwas. Es ging eher darum, Bestätigung für die eigenen Vorurteile gegen Muslime zu bekommen und ein Forum zu haben, in dem man rassistische Gefühle ausleben kann. Dementsprechend gingen die Gemüter hoch: Es wurden viele ausländerfeindliche Witze gemacht, man erzählte sich Anekdoten, die Vorurteile untermauern und schimpfte ganz ungeniert auf Muslime.
NEWS: Gab es auch kritische Stimmen?
Dolna: So gut wie keine. Und wenn jemand vage Einspruch erhob, wurde der sofort abgewiesen. Als eine Teilnehmerin etwa das Beispiel von einem Türken brachte, den sie für sehr integriert hielt, antwortete Sabaditsch-Wolff: "Seien Sie vorsichtig! Vergessen Sie nicht, dass alle Moslems uns anlügen, weil ihnen das die Religion vorschreibt." Mit diesem Argument kann man natürlich jeden Einspruch zunichte machen. Und diese feindselige Überzeugung, dass man Muslimen prinzipiell mit Misstrauen begegnen muss, schafft Hass und Verachtung.

