Dienstag, 17. November 2009

Zu dick für den Krankenwagen: XXL-
Patienten kommt Transport jetzt teurer

  • USA: Rettungsdienste brauchen spezielle Fahrzeuge
  • Aus für "peinliche Fahrten auf Pritschenwagen"

Die Erinnerung macht Ken Keller immer noch zu schaffen: Die Besatzung eines Krankenwagens war zu einem Patienten in kritischem Zustand gerufen worden, doch der Mann wog mehr als 450 Kilogramm und passte einfach nicht in das Fahrzeug. Und die Krankentrage war nicht stabil genug für ihn.

Die Sanitäter fragten Keller, ob sie den Mann samt Bett mit einem Gabelstapler auf einen Pritschenwagen laden könnten. Keller, damals Einsatzleiter für die Notfallversorgungsdienste des US-Bundesstaates Kansas, sagte Ja. Es gab keine andere Möglichkeit. "Ich bin überzeugt, es war für ihn entsetzlich peinlich, im eigenen Bett angeschnallt auf einem Pritschenwagen ins Krankenhaus gefahren und dort von einem Gabelstapler wieder abgeladen zu werden", meint Keller.

Höhere Gebühren für Fettleibige
Angesichts von immer mehr fettleibigen Menschen versuchen die Rettungsdienste ihre Transportmöglichkeiten für besonders dicke Patienten zu verbessern. Deutlich schwieriger wird es bei denen, die mehr als etwa 160 Kilogramm auf die Waage bringen. Und die Versorgung solcher Patienten ist teuer, denn sie erfordert kostspielige Ausrüstung und zusätzliches Personal. Einige Rettungsdienste haben daher begonnen, höhere Gebühren für extrem übergewichtige Patienten zu verlangen.

Der Umbau von Rettungsfahrzeugen ist nur ein weiterer Schritt, XXL-Patienten in den USA zu versorgen. Einige Krankenhäuser bieten bereits speziell angefertigte Betten, Rollstühle, Gehhilfen und sogar Möbel an. Und nach Einschätzung von Rettungsdiensten ist es an der Zeit, dass Krankenkassen, Versicherungen und auch die Patienten selbst anfangen, die zusätzlichen Kosten zu übernehmen, die ihre ohnehin extrem knappen Gewinnmargen schmälern. In der Vergangenheit wurden die Extra-Ausgaben für Fettleibige häufig nicht verrechnet. Jetzt verlangen sie Gebühren vergleichbar denen für Intensiv-Patienten oder Menschen mit Beatmungsgeräten.

Kritiker orten Diskriminierung
Der Transport von extrem schweren Patienten kostet etwa zweieinhalb Mal soviel wie der normalgewichtiger Menschen. Er dauert länger und benötigt drei bis vier Mal soviel Personal, das zudem häufig teures Spezialgerät benutzen muss, wie Buell sagt. Trotz der hohen finanziellen Lasten der Rettungsdienste bezeichnen manche Kritiker höhere Gebühren als diskriminierend. "Rettungsdienste sind lebensnotwendiger öffentlicher Service. Sie sollten allen, die sie benötigen, zu einem fairen Preis zugänglich sein", meint Joseph Nadglowski, Vorsitzender der Interessenvertretung Adipositas-Aktion.

Die Rettungssanitäter argumentieren dagegen, dass viele fettleibige Patienten dankbar für eine Ausrüstung sind, die Gabelstapler oder Pritschenwagen unnötig macht. "Wir haben bemerkt, dass schwergewichtige Leute, die wissen, dass sie schwergewichtig sind, anderen keine Umstände machen wollen. Und sie wollen nicht, dass jemand bei ihrem Transport verletzt wird", berichtet Sayer.

Wie viele andere Rettungsdienste auch hat die Einheit von Keller in Topeka kürzlich rund 10.000 Dollar für den Umbau eines Krankenwagens ausgegeben, der nun Patienten transportieren kann, die bis zu 720 Kilogramm wiegen. Wer die zusätzlichen Kosten tragen soll, ist allerdings nicht klar. Die staatlichen Programme Medicare und Medicaid übernehmen sie bisher nicht. Die Rettungsdienste hoffen auf die Versicherungsindustrie. In den Staaten Oregon und Washington erkennen die Versicherungen die zusätzlichen Kosten schon an.

(apa/red)

17.11.2009 13:39