Gunnar Prokop legt Traineramt zurück:
Zieht Konsequenz nach Attacke auf Spielerin
- Hypo-Macher: "War unentschuldbare Fehlreaktion"
- Europa-Verband enthob Prokop aller Funktionen

·Gunnar Prokop legt Traineramt zurück
Attacke hat Nachspiel: Aller Funktionen enthoben
Gunnar Prokop, der im Heimspiel zur Handball-Champions-League gegen HB Metz (27:27) kurz vor Schluss mit einer Attacke auf die gegnerische Spielerin Svetlana Ognjenovic ein Remis "gerettet", aber viele Sympathien verloren hatte, zeigte Reue und legte seine Amt als Trainer des neunfachen Meistercup-Gewinners Hypo Niederösterreich zurück. Auch der Europäische Handball-Verband (EHF) zog erste Konsequenzen:
"Möglicherweise lässt sich diese Reaktion psychologisch begründen. Mir selbst fehlt aus heutiger distanzierter Sicht jede Nachvollziehbarkeit", ließ der Macher des ÖHB-Serienmeisters in einer Pressemitteilung wissen. Darin hieß es u.a., dass er die "unentschuldbare Fehlreaktion" in keiner Weise schönfärben, sondern versuchen wolle, die Vorfälle aus seiner Sicht darzustellen und eine Erklärung zu finden, wie es dazu überhaupt kommen konnte.
"Unverzeihliche Situation"
Auslöser der "unverzeihlichen Situation" wäre nach einer "unbegreiflich schlechten Leistung meiner Mannschaft und einer Vielzahl tendenziösen Entscheidung" des Schiedsrichter-Duos ein einige Sekunden vor Spielende nicht gegebenes Foul an Daniela Pidade gewesen. "Aus meiner Sicht sollte dadurch der Spielverlauf massiv zu unseren Ungunsten beeinflusst werden", mutmaßt Prokop.
Der unmittelbar danach erfolgte Gegenstoß von Metz sei gerade in der "Phase meiner noch unverarbeiteten Emotionen" passiert. "Mir ist bewusst, dass eine (Fehl)Reaktion, wie die gegenständliche, schon allein aufgrund meiner 37-jährigen Tätigkeit mit über 270 Europacup-Partien und mehr als 500 Länderspielen nicht vorkommen dürfe", meinte Prokop und brachte die Psychologie in Spiel.
Kurzschlusshandlung
Er glaube, dass auch aus fachlich-psychologischer Sicht es als ausgeschlossen gelten könne, dass sein Verhalten bewusst oder gar unüberlegt, sondern vielmehr eine Kurzschlusshandlung war. "Das sogenannte Lachen im Nachhinein war offensichtlich das verlegene Lächeln des sich seiner Schuld bewussten Missetäters, der selbst keine Begründung seines Fehlverhaltens geben kann."
Prokop, der mit seinen Meinungen im Sport und abseits davon polarisiert wie kaum ein anderer in Österreich, erinnerte sich in diesem Zusammenhang an Otto Rehhagel, einen der weltweit erfolgreichsten Fußball-Trainer der Gegenwart. Der Deutsche hatte einst den Satz gesprochen: "Ein Trainer darf zwei Stunden nach einem emotionalen Spiel nicht ernst genommen werden."
Insofern - so der Handball-Zampano - wäre es ein Fehler gewesen, einige Minuten nach der Situation überhaupt zu einem Interview zu gehen. "Meine psychische Situation war keinesfalls bereits verarbeitet, sondern ich war emotional unverändert nicht anwesend", beteuerte Prokop, der die skandalösen Vorfälle aus heutiger Sicht völlig anders betrachtet.
"Tut mir mehr als leid"
"Es tut mir mehr als leid. Ich kann mich nur bei der gegnerischen Mannschaft, der betroffenen Spielerin und der Sportwelt für mein unüberlegtes und unverzeihliches Fehlverhalten entschuldigen." Der 69-Jährige zog gleichzeitig auch die persönlichen Konsequenzen. Er legte das Traineramt, das er erst vor Saisonbeginn übernommen hatte, mit sofortiger Wirkung zurück und wird versuchen, die Situation mit einem Psychologen aufzuarbeiten.
(apa/red)
