Studenten sind "schockiert": Bundeskanzler
Faymann stimmt für Uni-Zugangsregelungen
- ÖH-Vorsitzende Maurer: "Faymann hat nichts gelernt"
Bundesweite Demonstrationen für Donnerstag geplant - Hahn lädt Vertreter der Uni-Besetzer zum Dialog ein

·Studentenproteste durchaus berechtigt
Mehrheit der Österreicher
steht zu Demonstranten
·Uni-Rektor Winckler
zeigt sich solidarisch
"Gewisses Verständnis"
für Studentenproteste
·Umfrage: 42 Prozent verstehen Uni-Protest
NEWS: 54 % sind aber
für Studiengebühren
·Hahn lässt 34 Mio. Euro für Unis springen
Für die ÖH nur "Tropfen auf dem heißen Stein"
·Harter Kern will in Linzer Hörsaal bleiben
Wiener Studenten als Verstärkung nach Linz
·Faymanns Kurs? "Ich fühl' mich verarscht"
VIDEO: Die Studenten marschieren in Wien auf
·Die Straßen gehören Österreichs Studenten
BILDER der Proteste in den Universitäts-Städten
Die Studentenproteste in Österreich gehen auch in dieser Woche weiter. Für Donnerstag (5. November) haben die Besetzer des Audimax der Universität Wien zu einem bundesweiten Bildungsaktionstag aufgerufen. Ab 11.00 Uhr vormittags soll es einen Schülerstreik und den ganzen Tag über weitere "kleinere dezentrale Aktionen" geben, so einer der Organisatoren. Höhepunkt in Wien soll ein Sternmarsch zum Urban-Loritz-Platz in Wien-Neubau mit einer Schlusskundgebung um 17.00 Uhr sein. Außerdem planen die Studenten ab sofort "Guerilla-Aktionen". Bundeskanzler Faymann denkt unterdessen angesichts überlasteter Universitäten laut über Zugangsregelungen nach. Er möchte mit Finanzminister Pröll über das Thema Bildung sprechen.
Im besetzen Audimax der Uni Wien wird Faymann nicht erscheinen. Er erklärte sich zwar solidarisch mit den Protestierenden, er sei aber gegen Besetzungen. In der Sache selbst sieht er eine "Art von Zugangsregelungen" als notwendig an. Er sei zwar dafür, mehr Studienplätze zu schaffen, aber selbst das würde ohne Regelungen angesichts des Andrangs, etwa aus Deutschland, nicht reichen.
Sozialistische Studenten über Faymann "schockiert"
Wissenschaftsminister Hahn begrüßt die "klaren Aussagen" Faymanns. "Die Wortmeldung des Kanzlers zeigt, dass es uns endlich gelingt, eine faktenbasierte Debatte über die Aufgaben und Möglichkeiten" der Hochschulen zu führen, so Hahn. "Schockiert" ist dagegen der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ). "Ein Mann, der vom freien Zugang zu Bildung spricht und im selben Atemzug Zugangsbeschränkungen als unvermeidbar darstellt, braucht sich über Glaubwürdigkeitsprobleme nicht zu wundern", betonte VSStÖ-Chefin Sophie Wollner.
"Purer Zynismus" ist aus Sicht der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) die Aussage von Faymann. Die Regierung solle "endlich die notwendigen Mittel für die Hochschulen bereitstellen und die richtigen Prioritäten setzen" statt sich auf die Studenten auszureden, forderte Thomas Wallerberger vom Vorsitzteam der ÖH-Bundesvertetung. "Faymann hat anscheinend gar nichts aus den Protesten der vergangenen Tage gelernt", zeigte sich die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer verständnislos.
Aktionstag mit Kundgebung
Die Studenten geben sich weiter kämpferisch. Am Donnerstagvormittag soll es einen Schülerstreik und den ganzen Tag über weitere "kleinere dezentrale Aktionen" geben, so einer der Organisatoren. Um 11.00 Uhr gibt es eine Kundgebung an der Rampe der Hauptuni. Den ganzen Tag über findet im Audimax außerdem ein Alternativprogramm mit Workshops und Filmen etc. statt. Die Organisatoren hoffen nicht nur auf die Teilnahme von Studenten und Schülern, sondern auch von Kindergartenpädagogen und Lehrlingen. "Wir müssen eine Verbindung erzeugen zu anderen Institutionen mit denselben Problemen. Das ist kein Uni-Streik, sondern ein Bildungsstreik!"
"Guerilla-Aktionen"
Außerdem planen die Studenten ab sofort "Guerilla-Aktionen", bei denen sie unter den Lehrenden wie unter der übrigen Bevölkerung für ihre Anliegen werben wollen. Auf der Internetseite zu den Studentenprotesten haben bereits mehrere Unis ihre Teilnahme am Aktionstag angekündigt.
Lehrende erklären sich solidarisch
Weiters ist an der Uni Wien eine "Alternativ-Uni" mit "streikenden Lehrenden" geplant; der UniversitätslehrerInnenverband (ULV) der Uni Wien hatte sich mit den protestierenden Studenten solidarisch erklärt, die Interessengemeinschaft externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen (IG elf) bereits am Freitag vergangener Woche. Erfreut reagierten die Besetzer auf die Ankündigung von Uni-Wien-Rektor Georg Winckler, zu einem Gespräch ins Plenum zu kommen. Einen konkreten Termin gibt es laut einer Sprecherin des Rektorats allerdings noch nicht.
Hahn lädt zum Dialog
Wissenschaftsminister Johannes Hahn lehnt es weiterhin ab, im besetzen Audimax der Universität Wien mit den protestierenden Studenten zusammenzutreffen. "Eine Besetzung ist im Grunde ein Unrechtszustand, und den möchte ich nicht durch meine Anwesenheit pardonieren", sagte Hahn am Rande einer Pressekonferenz in Wien. Der Minister will aber "diese autonomen Gruppen" einladen, Delegierte für den von ihm geplanten Hochschul-Dialog zu nominieren.
Eine Rüge setzte es unterdessen von Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll. Er halte nichts von "Aktionismus und Blockade". Nur zu protestieren und andere am Studieren zu hindern sei falsch, so Pröll.
Audimax-Vorlesungen weiter im Austria-Center
Die Universität Wien scheint indessen nicht mit einer baldigen Räumung ihres größten Hörsaals, des Audimax, zu rechnen. Zumindest noch Dienstag und Mittwoch werden im Audimax geplante Lehrveranstaltungen wieder im Austria Center in Wien-Donaustadt abgehalten. Noch unklar ist, wie mit der Besetzung des C1, des größten Hörsaals am Campus im Alten AKH, umgegangen wird. Das Rektorat hofft darauf, dass die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) die Besetzer ehestmöglich zu einer Räumung überreden kann.
(apa/red)










