Studenten sind "schockiert": Bundeskanzler
Faymann stimmt für Uni-Zugangsregelungen

  • ÖH-Vorsitzende Maurer: "Faymann hat nichts gelernt"
    Bundesweite Demonstrationen für Donnerstag geplant
  • Hahn lädt Vertreter der Uni-Besetzer zum Dialog ein

Die Studentenproteste in Österreich gehen auch in dieser Woche weiter. Für Donnerstag (5. November) haben die Besetzer des Audimax der Universität Wien zu einem bundesweiten Bildungsaktionstag aufgerufen. Ab 11.00 Uhr vormittags soll es einen Schülerstreik und den ganzen Tag über weitere "kleinere dezentrale Aktionen" geben, so einer der Organisatoren. Höhepunkt in Wien soll ein Sternmarsch zum Urban-Loritz-Platz in Wien-Neubau mit einer Schlusskundgebung um 17.00 Uhr sein. Außerdem planen die Studenten ab sofort "Guerilla-Aktionen". Bundeskanzler Faymann denkt unterdessen angesichts überlasteter Universitäten laut über Zugangsregelungen nach. Er möchte mit Finanzminister Pröll über das Thema Bildung sprechen.

Im besetzen Audimax der Uni Wien wird Faymann nicht erscheinen. Er erklärte sich zwar solidarisch mit den Protestierenden, er sei aber gegen Besetzungen. In der Sache selbst sieht er eine "Art von Zugangsregelungen" als notwendig an. Er sei zwar dafür, mehr Studienplätze zu schaffen, aber selbst das würde ohne Regelungen angesichts des Andrangs, etwa aus Deutschland, nicht reichen.

Sozialistische Studenten über Faymann "schockiert"
Wissenschaftsminister Hahn begrüßt die "klaren Aussagen" Faymanns. "Die Wortmeldung des Kanzlers zeigt, dass es uns endlich gelingt, eine faktenbasierte Debatte über die Aufgaben und Möglichkeiten" der Hochschulen zu führen, so Hahn. "Schockiert" ist dagegen der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ). "Ein Mann, der vom freien Zugang zu Bildung spricht und im selben Atemzug Zugangsbeschränkungen als unvermeidbar darstellt, braucht sich über Glaubwürdigkeitsprobleme nicht zu wundern", betonte VSStÖ-Chefin Sophie Wollner.

"Purer Zynismus" ist aus Sicht der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) die Aussage von Faymann. Die Regierung solle "endlich die notwendigen Mittel für die Hochschulen bereitstellen und die richtigen Prioritäten setzen" statt sich auf die Studenten auszureden, forderte Thomas Wallerberger vom Vorsitzteam der ÖH-Bundesvertetung. "Faymann hat anscheinend gar nichts aus den Protesten der vergangenen Tage gelernt", zeigte sich die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer verständnislos.

Aktionstag mit Kundgebung
Die Studenten geben sich weiter kämpferisch. Am Donnerstagvormittag soll es einen Schülerstreik und den ganzen Tag über weitere "kleinere dezentrale Aktionen" geben, so einer der Organisatoren. Um 11.00 Uhr gibt es eine Kundgebung an der Rampe der Hauptuni. Den ganzen Tag über findet im Audimax außerdem ein Alternativprogramm mit Workshops und Filmen etc. statt. Die Organisatoren hoffen nicht nur auf die Teilnahme von Studenten und Schülern, sondern auch von Kindergartenpädagogen und Lehrlingen. "Wir müssen eine Verbindung erzeugen zu anderen Institutionen mit denselben Problemen. Das ist kein Uni-Streik, sondern ein Bildungsstreik!"

"Guerilla-Aktionen"
Außerdem planen die Studenten ab sofort "Guerilla-Aktionen", bei denen sie unter den Lehrenden wie unter der übrigen Bevölkerung für ihre Anliegen werben wollen. Auf der Internetseite zu den Studentenprotesten haben bereits mehrere Unis ihre Teilnahme am Aktionstag angekündigt.

Lehrende erklären sich solidarisch
Weiters ist an der Uni Wien eine "Alternativ-Uni" mit "streikenden Lehrenden" geplant; der UniversitätslehrerInnenverband (ULV) der Uni Wien hatte sich mit den protestierenden Studenten solidarisch erklärt, die Interessengemeinschaft externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen (IG elf) bereits am Freitag vergangener Woche. Erfreut reagierten die Besetzer auf die Ankündigung von Uni-Wien-Rektor Georg Winckler, zu einem Gespräch ins Plenum zu kommen. Einen konkreten Termin gibt es laut einer Sprecherin des Rektorats allerdings noch nicht.

Hahn lädt zum Dialog
Wissenschaftsminister Johannes Hahn lehnt es weiterhin ab, im besetzen Audimax der Universität Wien mit den protestierenden Studenten zusammenzutreffen. "Eine Besetzung ist im Grunde ein Unrechtszustand, und den möchte ich nicht durch meine Anwesenheit pardonieren", sagte Hahn am Rande einer Pressekonferenz in Wien. Der Minister will aber "diese autonomen Gruppen" einladen, Delegierte für den von ihm geplanten Hochschul-Dialog zu nominieren.

Eine Rüge setzte es unterdessen von Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll. Er halte nichts von "Aktionismus und Blockade". Nur zu protestieren und andere am Studieren zu hindern sei falsch, so Pröll.

Audimax-Vorlesungen weiter im Austria-Center
Die Universität Wien scheint indessen nicht mit einer baldigen Räumung ihres größten Hörsaals, des Audimax, zu rechnen. Zumindest noch Dienstag und Mittwoch werden im Audimax geplante Lehrveranstaltungen wieder im Austria Center in Wien-Donaustadt abgehalten. Noch unklar ist, wie mit der Besetzung des C1, des größten Hörsaals am Campus im Alten AKH, umgegangen wird. Das Rektorat hofft darauf, dass die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) die Besetzer ehestmöglich zu einer Räumung überreden kann.

(apa/red)

2.11.2009 22:33
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irgendwer01, 03. 11. '09 12:33
STUDIENGEBÜHREN !
Ich arbeite mit etlichen Studenten am Wochenende zusammen (Kellner) und die finden die Proteste dieser faulen Langzeitstudenten oder Profi-Protestierer einfach nur lächerlich. Da sind (bzw. waren) diese lächerlich niedrigen Studiengebühren keine Belastung.

Also einfachste Lösung:
Die Protestierer durchfallen lassen und den Studienplatz streichen und diesen jemand ernsthaft Interessierten geben. Gleichzeitig könnten wir die gleich wennmöglich des Landes verweisen, denn was soll unsere Gesellschaft mit schon im Schulstadium herangezogenen, faulen Langzeitstudierenden machen. Glaubt wirklich irgendwer das diese Psychos einmal was leisten werden und Steuern zahlen?
konrarob, 03. 11. '09 07:55
Unterstützung in den eigenen Reihen
Laut Nachrichten unterstützen nur rund 2.000 Studenten von 230.000 diese Form der Demonstrationen...

Mehr braucht man dazu wohl nicht zu sagen
gerkohl, 02. 11. '09 18:50
Hilfe für die Studierenden 1
Die Proteste an den österreichischen Universitäten sind nicht nur Ausdruck einer verfehlten Bildungspolitik, denn diese ist die Konsequenz einer neoliberalen Fortsetzungspolitik, die eben nun auch die Universitäten trifft, heute die Unis, morgen die Gesundheitsvorsorge, übermorgen die Gehälter und Löhne usw.
Die "Steuerini" unterstützt die Studentenschaft in ihrem Protest, will jedoch dabei den größeren Zusammenhang des Finanzierungsproblems - nämlich die Umverteilung von gesellschaftlich erbrachter Wertschöpfung - nicht aus den Augen verlieren. Nur eine Veränderung ds Steuersystems kann diese Politik nachhaltig bremsen, eine Volksabstimmung darüber wäre das geeignete Mittel, ein Zusammenschluss aller Gegner dieser neoliberalen Politik ein weiteres. Vorschläge: www.steuerini.at
Marc99, 02. 11. '09 18:42
Zugangsregelungen sind ein Muß
Oder wie viele arbeitslose Akademiker wollt ihr denn noch?
Und für die Volkswirtschaft ist ein arbeitsloser Automechaniker immer noch billiger als ein arbeitsloser Mediziner. Vor ein paar Jahrzehnten war ein Spitzenjob für einen Akademiker mit ebensolchem Einkommen garantiert. Seit studieren für nahezu jeden möglich ist bekommen halt die Herrn und Frau Magister jene Jobs die früher Absolventen einer Bürolehre bekamen. Ist es das was ihr wollt?
Viennese, 02. 11. '09 18:40
Der liebe Bundeskanzler
Zuerst macht er alle verrückt und setzt ein gut funktionierendes System außer Kraft, dann gibt er den Studenten recht um zum Schluß lapidar zu erklären daß es ohne Zugangsbeschränkungen nicht gehen wird! Wieder typisch SPÖ: zuerst alle versprechen um dann absolut nichts zu halten. Vielleicht ist diese momentane Situation gar nicht so schlecht für die Zukunft. Vielleicht gibt es in Zukunft weniger blauäugige SPÖ Wähler. Wäre doch schön wenn einmal Leistung anstelle Parteibuch honoriert werden würde.
mansur10, 02. 11. '09 14:39
Studenten
Liebe Studierende Protestierer!
Vielleicht wißt Ihr nicht das Ihr auf kosten von uns Steuerzahler ( Arbeitende - Bevölkerung ) eigentlich lebt.
Normalerweise sollte die Studiengebühr sofort wieder eingeführt werden, da es auch in anderen Ländern diese gibt. Und die Kosten die Ihr derzeit anhäuft würde ich Euch persönlich zahlen lassen ( man weiß ja wer hier dabei ist ).
Wäre ja gelacht ob Ihr dann noch weiter machen würdet.
Und was soll das heißen es sollen auch die Schüler und Lehrlinge mitmachen. Ich glaube Euch geht es nicht gut.
Ein Lehrling steht in einem Dienstverhältniss und verdient sein eigenes Geld. Ihr dagegen lebt vom Vater Staat.
Ich hoffe das diese Blockade recht bald aufhört und das die die wirklich Studieren wollen weitermachen können.
mansur10
clsc, 02. 11. '09 15:20
Re: Studenten
Eine Möglichkeit, die Kosten für ein menschenwürdiges Studium abzudecken wäre sicher, alle noch lebenden Akademiker für ihren in der Vergangenheit komsumierten Studiensemester den gleichen Betrag zahlen zu lassen, wie man jetzt von den Stundenten verlangen möchte. Das wäre eine gerechte Verteilung der Lasten auf alle Generationen und ergäbe mit einem Schlag einen größeren Betrag zur sofortigen Linderung der Mißstände.
LuZaR, 02. 11. '09 15:39
Re: Studenten
Wenn es Studiengebühren und Zugangsregelungen gäbe dann hätten wir das jetzige Problem erst gar nicht. Denn dann wären unsere Unis nicht so überfüllt. Alleine Das deutsche bei UNS gratis studieren können finde ich eine Frechheit. Klar, welcher deutsche studiert dann noch in D? Niemand weil sie dort die Gebühren bezahlen müssten. Ich zahle gern Steuern für Österreicher die studieren möchten und die das ganze auch ernst nehmen. Aber für Leute die aus Spaß studieren oder wie Ausländer die nach dem Studium wieder in ihre Heimat gehen habe ich kein verständis. Ich mein wo kommen wir denn da hin? Sollen wir jetzt neue und größere Unis bauen damit noch mehr zu uns kommen und gratis studieren? Das ist doch ein Fass ohne Boden das ganze...
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