Weiße Nummerntafel feiert 20. Geburtstag:
Für einige mehr als nur Buchstaben & Zahlen

  • Verwurzelung zur Herkunft und auch identitätsstiftend
  • Man hebt sich mit Nummernschild von der Masse ab

Das Nummernschild ist für manchen Autofahrer mehr als ein paar eingepresster in schwarz gefärbter Buchstaben oder Zahlen auf weißem Grund. Das Kennzeichen hat einen identitätsstiftenden Wert, erklärte ÖAMTC-Verkehrpsychologin Marion Seidenberger. Deutlich gezeigt hat sich das vor 20 Jahren in der Diskussion um die Einführung der weißen Kfz-Kennzeichen, wo sich die Gemüter einiger Autofahrer ordentlich erhitzten. Nicht zuletzt ist auch die Tatsache, dass in Österreich immer noch 280.000 Fahrzeuge mit altem schwarzen Nummernschild angemeldet sind, ein Indiz dafür.

Umso weniger verwundert auch die Bereitschaft mancher Fahrzeugbesitzer für Wunschkennzeichen oder bestimmte Buchstaben-Zahlen-Kombination ein paar Euro mehr auszugeben. "Wir leben generell in einer Zeit, wo Zahlen extrem wichtig sind", sagte die Psychologin und führte als Beispiele Bankcodes oder SIM-Kartennummern an. "Außerdem hebt man sich mit dem Nummernschild von der Masse ab - wenn ich als Generaldirektor eines Unternehmens immer ein 'GD1' am Kennzeichen hatte, dann möchte ich in der Pension nicht zu '3456' werden", meinte Seidenberger.

In der heutigen Zeit, kann das Kennzeichen, das durch seine Buchstabenkombination und das Wappen am Schild eine gewisse "Verwurzelung zur Herkunft" aufweist, identitätsstiftend sein, bekräftigte auch der Verkehrspsychologe Rainer Christ vom Berufsverband österreichischer Psychologen (BÖP). Manchmal sogar mehr als der Job, "weil man diesen heute nicht mehr von der Schule bis zur Pension ausübt. Wo ich lebe, ist schon ein starker Anker", meinte Christ. Durch das Kennzeichen erkennen andere, wo man herkommt.

Proteste in Frankreich
In Aufruhr versetzt wurden vor einem Jahr Frankreichs Autofahrer, als die Zentralregierung in Paris mit dem Vorhaben, die regionale Kfz-Kennzeichnung mit der Nummer des jeweiligen Departements abschaffen zu wollen, vorpreschte. Proteste von Fahrzeugbesitzern waren die Folge. Als Lösung des Problems hat man nun im neuen System an einem blauen Feld am rechten Rand des Nummernschildes eine regionale Kennzeichnung angebracht.

"Es ist aber nicht so, dass es für alle gleich wichtig ist. Wenn das Auto für jemand einen hohen persönlichen Stellenwert hat und derjenige Wert auf Image, Marke oder Farbe legt", dann gelte ähnliches für das Kennzeichen, betonte Psychologe Christ.
(apa/red)

27.10.2009 11:01
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