Mittwoch, 28. Oktober 2009

KiK-Textildiskonter im Fokus der Kritik:
Textil-Tycoon Heinig im NEWS-Interview

  • Billiganbieter in Kritik von Gewerkschaften & NGOs
  • Der geheimnisvolle Gründer nimmt dazu Stellung

Er ist in fast jeder Stadt, die über mehr als 5.000 Einwohner verfügt, präsent. Und doch hat ihn bisher kaum ein Mensch zu Gesicht bekommen. Stefan Heinig, 47, meidet die Öffentlichkeit, so gut es als Vorsitzender der Geschäftsführung KiK Textilien und Non-Food GmbH eben geht. Von dem geheimnisvollen Geschäftsmann existiert nur ein Foto. Jetzt gibt er in NEWS eines seiner raren Interviews. In Österreichs Medien ist es das erste überhaupt.

NEWS: Herr Heinig, welche Kleidung aus dem KiK-Sortiment tragen Sie selbst?
Stefan Heinig: Eigentlich trage ich aus jeder Produktgruppe für Herren etwas: Socken, Unterwäsche, T-Shirts. Businesshemden und Anzüge führen wir nicht im Sortiment, diese kaufe ich woanders. KiK bietet eben in erster Linie Textilien für den täglichen Bedarf an.

NEWS: Weshalb meiden Sie die Öffentlichkeit so konsequent?
Heinig: Ich selbst habe nie im Fokus des Medieninteresses gesehen und tue es auch jetzt nicht. Aber KiK hat nach Jahren des Wachstums eine Größe erreicht, bei der ich mich nicht mehr nur um die Entwicklung des Unternehmens, sondern eben auch um die Außendarstellung kümmern muss. KiK wird deshalb noch offener werden, wir haben ja nichts zu verbergen.

NEWS: Nichts zu verbergen? Aktuell wird in Deutschland von 49.000 illegalen Bonitätsprüfungen Ihrer Mitarbeiter berichtet. Nutzen Sie die Möglichkeit, um die Vorwürfe zu entkräften.
Heinig: Nur so viel: KiK Österreich ist hiervon nicht betroffen. Es gab also zu keiner Zeit Abfragen über österreichische Mitarbeiter. Da wir uns allerdings derzeit in Deutschland in einem schwebenden Verfahren befinden, bitte ich um Verständnis, dass ich zu diesem Sachverhalt aktuell weiter nichts sagen möchte.

NEWS: Eine Damen-Jeans bekommt man bei KiK für 15,99 Euro. Herrenhemden für 9,99 Euro. Erklären Sie bitte, wie es möglich ist, Textilien so billig anzubieten.
Heinig: Wir bestellen unsere Ware in großen Mengen und verzichten bei unseren Produkten auf teure Sonderausstattungen, kaufen antizyklisch ein. Das heißt, wir vergeben unsere Aufträge, wenn große Fabriken Kapazitä-ten haben. Wir sind nicht an Frühjahrs- oder Herbstkollektionen gebunden. Schließlich bringen wir unsere Ware fast ausschließlich auf dem Seeweg nach Europa: Wir verzichten auf teuren Flugzeugtransport und schonen so die Umwelt. Wir nutzen keine Zwischenhändler oder -lager und verzichten in unseren Filialen auf kostenintensive Dekoration. Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass wir unsere Produkte so unschlagbar günstig anbieten können.

NEWS: Aber leidet die Qualität Ihrer Waren nicht zwangsläufig unter diesen unschlagbar günstigen Preisen?
Heinig: Wissen Sie, Discount- und Markenware werden in den Produktionsstätten in Fernost häufig direkt nebeneinander produziert. Der Verkaufspreis im Laden suggeriert jedoch eine Distanz in der Qualität, die es so in Wirklichkeit nicht gibt.

NEWS: Können Sie Kinderarbeit bei den KiK-Lieferanten völlig ausschließen?
Heinig: Das Verbot von Kinderarbeit ist in unserem Code of Conduct fest verankert; entsprechend wird bei den Auditierungen durch unabhängige, international anerkannte Prüfinstitute streng darauf geachtet.

NEWS: 2007 sollte in Österreich ein Betriebsrat gewählt werden. Wie konnte es passieren, dass der Spitzenkandidat der Arbeitnehmer zwei Tage nach der Wahl entlassen wurde?
Heinig: Ach wissen Sie, dieses Thema gehört längst der Vergangenheit an. Wir haben Fehler gemacht, keine Frage. Wichtig ist, dass man sich Fehler auch eingestehen kann und daran arbeitet. Heute haben wir in Österreich einen Betriebsrat, und dieser steht in regelmäßigem konstruktivem Austausch mit der Landesgeschäftsführung.

NEWS: Wie viel Geld sollte ein Mensch in Deutschland oder Österreich im Monat netto für einen Vollzeitjob mindestens verdienen, damit er gut leben kann?
Heinig: Das ist mir eine Frage mit zu vielen Variablen. Die Lebenshaltungskosten variieren je nach Region, jeder hat andere Ansprüche und andere Voraussetzungen für seinen Job mitgebracht. Und schließlich: Was heißt "gut leben"? Ich bin der Meinung, auf diese Frage kann es keine pauschale Antwort geben.

Lesen Sie die Geschichte und das Interview im neuen NEWS Nr. 44/09!
PLUS: Exklusiv das einzige Foto von KiK-Chef Stefan Heinig!


(apa/red)

28.10.2009 12:26