Nicole Hosp kann wieder etwas lachen:
Zweckoptimismus nach Kreuzbandoperation
- "Heim-WM" in Garmisch als nächstes großes Ziel
- Nach mehreren Verletzungen psychisch ausgeglichen

·Auftakt-Triumph in Sölden für Poutiainen
Zettel verpasst den Sieg nur um ein Hundertstel
Zwei Tage nach ihrem Kreuzbandriss im rechten Knie hat Nicole Hosp auf einer Pressekonferenz in der Privatklinik Hochrum bei Innsbruck bereits wieder Optimismus ausgestrahlt. "Es hat halt so sein müssen. Ich schaue jetzt, dass ich 2011 zu meiner 'Heim-WM' in Garmisch noch besser zurückkomme", sagte die Tirolerin, für die der Traum von einer Olympiamedaille 2010 gleich mit einem Sturz im ersten Riesentorlauf-Durchgang beim Weltcup-Auftakt in Sölden zerplatzte.
Die Gesamtweltcupsiegerin von 2007 wurde noch am Samstagnachmittag operiert, zum Medientermin erschien die 25-Jährige auf Krücken gehend im schwarzen Trainingsanzug und lila Crocs. Die Sportlerin wirkte gefasst, gestand aber ein, dass sie sich auf die Olympiasaison sehr gut vorbereitet habe und es "sehr wehgetan" habe, nach nur etwas mehr als zwanzig Rennsekunden die Saison abschreiben zu müssen. "Aber in vier Jahren hoffe ich, dass ich bei Olympia gesund bin", legte sie große Zuversicht an den Tag.
Zufrieden sind die Ärzte mit dem Heilungsverlauf. "Beim Verbandswechsel zeigte sich, dass die Wunde sehr gut verheilt, die Schwellung ist gering. Die Rehabilitation mit Lymphdrainagen und Gangschule hat bereits begonnen", berichtete Christian Hoser, der zusammen mit Christian Fink den einstündigen Eingriff, bei dem das Kreuzband durch eine Sehne aus dem eigenen Kniegelenk ersetzt worden war, vorgenommen hatte.
Rückkehr zu Topzustand möglich
"Dazu kommt, dass Niki die Gangschule zum Glück, oder besser gesagt leider, schon sehr gut kennt", sagte Hoser in Anspielung darauf, dass Hosp bereits mehrmals in ihrer Laufbahn diesen Weg gehen musste. Günstig für Hosp sei, dass es weder einen Knorpel- noch einen Meniskusschaden gäbe. Und Fink ist auch für die weitere Karriere von Hosp zuversichtlich: "Wenn alles gut verläuft, kann Niki in ihrem Topzustand zurückkehren."
An den Sturz, für den mehrere Faktoren verantwortlich gewesen seien, kann sich die Bichlbacherin gut erinnern, sie habe sofort gewusst, dass etwas Gravierendes passiert sei. "Ich war beim Tor zu weit drinnen, habe dann einen Schlag bekommen und wegen dem Material bin ich nicht mehr weggekommen." Die Läuferin kritisierte auch die Kurssetzung beim Weltcup-Auftaktbewerb: "Sölden hätte man sicher langsamer stecken können. Vielleicht kommt es nach den vielen schweren Verletzungen zu einem Umdenken."
Schon mehrere Verletzungen
Auch Damen-Cheftrainer Herbert Mandl, der bei der Pressekonferenz in Hochrum ebenso anwesend war wie der Vater der Läuferin, Hans Hosp, stieß ins gleiche Horn: "Es ist schwierig, eine endgültige Weisheit zu finden. Die Entwicklung im Skisport ist sicher positiv, im Rennlauf aber sehr gefährlich. Wir müssen die Geschwindigkeit über Kurssetzungen herunterbringen, Bremsen über das Material ist sehr schwierig." Auch die Trainer seien gefordert, die Läuferinnen auf dieses schwierige Material körperlich perfekt vorzubereiten.
Für Hosp war der Kreuzbandriss nicht die erste schwere Verletzung in diesem Jahr, am 4. Jänner hatte sie sich beim Einfahren für den Slalom von Zagreb im linken Knie einen Riss des inneren Seitenbandes, Einriss des vorderen Kreuzbandes und eine Impressionsfraktur des Schienbeinkopfes zugezogen. Nach nur fünfeinhalb Wochen gab sie ihr Comeback, startete im WM-Riesentorlauf in Val d'Isere, kam über Rang 23 aber nicht hinaus. Deshalb sagte Hosp jetzt: "Es wird keinen Wettlauf wie in der letzten Saison geben. Ich mache mir keinen Stress. Ich bin nach der letzten Verletzung von der Psyche her auch ausgeglichener."
Hosp beginnt mit der Therapie bei Martin Hofbauer in Innsbruck und auch zu Hause im Außerfern. Drei Wochen muss die ÖSV-Athletin noch auf Krücken gehen. In drei bis vier Monaten wird sie wieder mit dem Training beginnen können, Ski-Training wird dies aber noch lange nicht sein.
(apa/red)
