"Ich flüchte nicht, sondern ich steige um":
Hahn über EU-Beförderungen und Proteste
- FORMAT: "Habe für Universitäten mehr rausgeholt"
- Neuer EU-Kommissar über seine Krebserkrankung

·Faymanns Kurs? "Ich fühl' mich verarscht"
VIDEO: Die Studenten marschieren in Wien auf
·Uni-Rektor Winckler
zeigt sich solidarisch
"Gewisses Verständnis"
für Studentenproteste
Johannes "Gio" Hahn hat es geschafft. Nach einer langjährigen Polit-Karriere in der zweiten und dritten Reihe ist er es jetzt, der für Schlagzeilen sorgt. Nicht nur, dass sich demonstrierende Studenten auf den Wissenschaftsminister einschießen - auch seine Nominierung als künftiger EU-Kommissar sorgt für Furore. Im Interview mit FORMAT spricht der häufig Unterschätzte über die Misere der Universitäten, seine EU-Visionen und seinen Krebs.
FORMAT: Herr Minister, der Protest an den Universitäten ist beachtlich, die Demonstrationen sind ein starkes Symbol. Ist das Ausdruck einer verfehlten Wissenschaftspolitik Ihrerseits?
Hahn: Wenn es um die Verbesserung der Studienbedingungen geht, muss man sich ernsthaft damit auseinandersetzen. Das nehme ich auch vice versa für meine Argumente in Anspruch. In manchen Bereichen teile ich den Befund meiner Kritiker.
FORMAT: Aber die Unis sind chronisch unterdotiert.
Hahn: Da werde ich nicht müde zu betonen: Ich habe bei den Verhandlungen mit dem Finanzminister 17 Prozent mehr Budget für die Unis rausgeholt. Dazu kommen sieben Prozent Studienbeitragsrefundierung. In Zeiten wie diesen über 20 Prozent mehr Geld zu verhandeln, das möge man mir bitte vorhupfen.
FORMAT: Wie geht es mit den Protesten weiter? Wie kann eine Lösung aussehen?
Hahn: Im Befund sind wir zum Teil einig. Schon vergangene Woche habe ich einen Drei-Schritte-Plan auf den Tisch gelegt. Ein erster Punkt ist, die Studienberatung in den Schulen zu intensivieren.
FORMAT: Stehlen Sie sich mit Ihrem Wechsel nach Brüssel aus der Verantwortung?
Hahn: Keineswegs. Ich werde voraussichtlich bis Ende des Jahres Wissenschaftsminister bleiben und dieses Amt mit Verantwortung ausfüllen. Außerdem flüchte ich nicht, sondern steige um. Über die Nominierung meiner Person wurde bereits in den vergangenen Wochen nachgedacht.
FORMAT: Kommissionspräsident Barroso will in Zukunft mit der Kommission stärker gegenüber den Nationalstaaten auftreten. Sie kommen als Minister soeben aus der Perspektive eines Mitgliedslandes. Trauen Sie sich den Job zu?
Hahn: Meine politische Biografie zeigt, dass ich einer der Ersten in Österreich war, die sich für einen EG-Beitritt ausgesprochen haben. Das war Anfang der 80er-Jahre bei der Jungen ÖVP gegen die damalige Linie der eigenen Partei, aller anderen sowieso. Weggefährten damals waren Othmar Karas und Christoph Leitl. Es ist wichtig, dass Europa als Mehrwert noch stärker in den Köpfen der Menschen verankert wird.
FORMAT: Wie hat Ihre zwanzigjährige Erfahrung mit einer Krebserkrankung Ihre Einstellung zur Politik verändert?
Hahn: Im Grunde tut sie das bis heute, weil ich alle drei Monate zur Kontrolle gehe. Das geht seit 1979 so. Die Krankheit hat mich als Mensch geprägt, was natürlich auf meine politische Art durchgeschlagen hat. Mir wird oft attestiert, ich sei gelassener. Was aber nicht heißt, dass ich leidenschaftslos bin. Ich bin auch lange keine finanziellen Risiken durch Eigentumsbildung eingegangen, aus Rücksicht auf meine Familie. Wir wohnen bis heute in einer Mietwohnung.
Lesen Sie das ganze Interview im aktuellen FORMAT 44/09!
Causa Buwog14:44
KHG-Anwalt verurteiltAnklage wegen Urkundenunterdrückung - Jurist muss Geldstrafe zahlen
US-Präsidentschaftswahlen15:05
Romneys Klotz am BeinDer milliardenschwere Investor macht dem Obama-Rivalen das Leben schwer
Altkanzler in Ungarn13:52
Schüssel lobt OrbanEx-Kanzler bei Konferenz in Budapest: "Regierung verdient Achtung für ihre Arbeit"
