"Gio" geht nach Brüssel: Johannes Hahn
wird neuer österreichischer EU-Kommissar
- Setzt sich gegen Ferrero-Waldner & Molterer durch
- Regierung steht geschlossen hinter ÖVP-Vorschlag

·"Bankrotterklärung für Bundesregierung"
Heftige Oppositions-Kritik an Entscheidung für Hahn
·Johannes Hahn wird neuer EU-Kommissar
UMFRAGE: Ist er wirklich der geeignete Kandidat?
·Minister Hahn geht nun doch nach Brüssel
Hahn wird nicht gerupft, er bekommt neue Federn
·Gio Hahn erweist sich
als lachender Dritter
CHRONOLOGIE: Langes Gerangel um Kommissar
Johannes "Gio" Hahn wird Österreichs dritter EU-Kommissar. Nach langem Gezerre haben sich die Koalitionspartner SPÖ und ÖVP auf den 51-jährigen Wissenschaftsminister und Wiener ÖVP-Chef als Kompromisskandidaten geeinigt. Bundeskanzler Werner Faymann verkündete nach dem Ministerrat die "gute Wahl für Österreich". Vizekanzler Josef Pröll lobte den Kandidaten "aus dem Herzen der ÖVP". Hahn freute sich über das Vertrauen. Welches Dossier er bekommen soll, ist ebenso offen, wie die Nachbesetzung im Ministerium und an der Spitze der Wiener Volkspartei.
Die Regierungsparteien hatten sich in den vergangenen Wochen ein zähes Tauziehen in der Kommissarsfrage geliefert. Die ÖVP hatte das Vorschlagsrecht, ihren Wunschkandidat, Ex-ÖVP-Chef und Vizekanzler Wilhelm Molterer, lehnte die SPÖ allerdings ab. Die Roten versuchten im Gegenzug, die noch amtierende Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner zu forcieren. Hahn hatte sich bei diesem Patt bereits vor dem Wochenende als Kompromisskandidat abgezeichnet. Ein letztes Gespräch führten Kanzler und Vizekanzler vor dem Ministerrat.
Hahn deckt "weites Feld" ab
"Die Regierung steht geschlossen hinter dem Vorschlag, 'Gio' Hahn zu nominieren", so Faymann dann nach der Regierungssitzung. Er lobte ihn als Person mit "breitem Wissen und guter Erfahrungen". Der Vorschlag sei von Pröll gekommen, man habe "rechtzeitig und zu guter Zeit" dieses politische Ergebnis erreicht. Der Vizekanzler gab sich "sehr froh". Mit seiner Vergangenheit in Wirtschaft und Politik könne Hahn beim Portfolio ein sehr weites Feld abdecken.
Wofür Österreichs künftiger Kommissar tatsächlich zuständig sein wird, ist nach Angaben beider noch offen. Von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso gebe es diesbezüglich keine Festlegung. Pröll wünscht sich ein "Zukunftsdossier", Faymann ein Ressort mit Forschung und Entwicklung in Bereichen wie Umwelt oder Energie. Außenminister Michael Spindelegger erwartet für Hahn das Forschungsressort, auch die Bildung sei möglich.
SPÖ lehnte Molterer ab
Die SP-Ablehnung Molterers begründete Faymann mit dem "Vertrauensbruch" durch die von diesem herbeigeführte Neuwahl. Ferrero-Waldner wiederum sei "nicht Vorschlag des Koalitionspartners" gewesen. Pröll verwies darauf, dass es Ferrero-Waldner Ressort künftig nicht mehr in dieser Form geben werde.
Mit der Nachfolge Hahns in der Wiener ÖVP und im Wissenschaftsministerium will sich Pröll Zeit lassen. Faymann plant im Zuge der Entsendung keine Regierungsumbildung auf SPÖ-Seite. Hahns Nominierung wird kommende Woche im Ministerrat offiziell abgesegnet. Danach ist im Hauptausschuss des Nationalrates eine Aussprache und der Beschluss der Entsendung vorgesehen. Dann folgt die Information an den Kommissionspräsidenten.
Hahn wünscht sich Zukunftsressort
Hahn stellte sich nach der Bekanntgabe nicht den Journalisten. Stattdessen ließ er über einen Sprecher ausrichten, er freue sich über das "Vertrauen von Bundeskanzler und Vizekanzler". Das wichtigste Ziel sei nun ein Zukunftsressort für Österreich.
Seitens der ÖVP lobte ihn EU-Delegationsleiter Ernst Strasser als "innovativ und professionell". Zustimmung kam auch von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Der nicht zum Zug gekommene Molterer nahm die Entscheidung merkbar enttäuscht zur Kenntnis: "Bundeskanzler Faymann hat meine Nominierung verhindert, aus welchen Gründen auch immer."
(apa/red)
Causa Buwog14:44
KHG-Anwalt verurteiltAnklage wegen Urkundenunterdrückung - Jurist muss Geldstrafe zahlen
US-Präsidentschaftswahlen15:05
Romneys Klotz am BeinDer milliardenschwere Investor macht dem Obama-Rivalen das Leben schwer
Altkanzler in Ungarn13:52
Schüssel lobt OrbanEx-Kanzler bei Konferenz in Budapest: "Regierung verdient Achtung für ihre Arbeit"
