H1N1, das Supervirus? Experten streiten über Sinn einer Schweinegrippe-Impfung!
- NEWS: Nur 30 Prozent wollen sich impfen lassen
- Kritik: Nebenwirkungen mitunter schwerwiegend

·H1N1-Virus befällt Schule in Osttirol
Mehrere Schüler infiziert. Schule wird geschlossen
·Schweinegrippe: Start der Impfaktion
"Sehr angenehm, kein Brennen, kein Schmerz"
·Elfjährige kämpft im Spital um ihr Leben
Innsbruck: Schwerer
Fall der Schweinegrippe
·Grafik: Wie uns das
Virus krank macht
Ansteckung und Verlauf der Schweinegrippe
·Politiker und Promis
sind "Impfmuffel"
Darabos zuversichtlich:
"Ich esse genug Obst"
Chiara (Name von der Red. geändert) fühlte sich nur ein wenig müde, klagte über Gliederschmerzen und Fieber. Klassische grippale Symptome, deretwegen der Arzt der Schülerin aus Bozen ein Antibiotikum verschrieb und das Mädchen nachhause schickte. Doch nur 24 Stunden später rang Chiara mit dem Tod. Die Diagnose: Lungenversagen durch Staphylokokken, hervorgerufen durch das Schweinegrippe-Virus H1N1.
Das Mädchen wurde an eine Herz- Lungen-Maschine angeschlossen nur so konnte sie am Leben erhalten werden. Sie konnte zwar stabilisiert werden, aber ihr Gesundheitszustand ist noch sehr kritisch, erläutert Intensivmediziner Thomas Müller von der Universitätsklinik in Innsbruck, an der Chiara seit Anfang dieser Woche behandelt wird. Auch im nahen Lienz sorgt man sich um jugendliche H1N1-Opfer: 26 Schüler einer Berufsschule erkrankten an Schweinegrippe und wurden unter Quarantäne gestellt.
Streit um Impfung
Der tragische Fall der kleinen Südtirolerin, er ereignet sich zu einem Zeitpunkt, zu dem H1N1 ganz Europa beschäftigt. Denn dieser Tage starten in fast allen Ländern der EU Massenimpfungen. Bekämpft werden soll jenes Virus, das im April dieses Jahres erstmals in Mexiko auftrat, innerhalb weniger Wochen um die Welt zog und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur ersten Pandemie (weltweite Seuchenwelle) des 21. Jahrhunderts ernannt wurde. Jetzt gibt es auch in Österreich eine Impfung gegen die Schweinegrippe. In einer ersten Phase können sich seit 27. Oktober Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen impfen lassen 520.000 Dosen für 260.000 Personen wurden bereits ausgeliefert. Ab 9. November kann dann der Rest der Bevölkerung antreten, um sich gegen H1N1 immunisieren zu lassen.
Der Impfschutz: 80 Prozent. Doch die Österreicher scheinen bislang nicht restlos von der Notwendigkeit einer Impfung überzeugt: Knapp 30 Prozent könnten sich vorstellen, sich mithilfe der Pharmaindustrie gegen Influenza zu schützen.
Nebenwirkungen?
Für medizinisches Personal ist es eine Verpflichtung, zur Impfung zu gehen auch, um die Patienten vor einer Ansteckung zu schützen, erläutert Christoph Wenisch. Der Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung mit Infektions- und Tropenmedizin am Wiener Kaiser- Franz-Josef-Spital war einer der ersten Mediziner, die sich gegen die Schweinegrippe immunisieren ließen. Die Neue Grippe hat zwar derzeit milde Verläufe. Aber das kann sich jederzeit ändern. Deshalb sollten auch chronisch Kranke, Schwangere und Kinder geimpft werden, ehe der Höhepunkt der Grippewelle Ende des Jahres kommt, erklärt der Mediziner.
Doch nicht alle Experten befürworten die Impfung. Hauptkritikpunkte: Der Impfstoff sei nicht ausreichend getestet, die Nebenwirkungen seien mitunter schwer gesundheitsgefährdend, und es handle sich um eine reine Werbeaktion der Pharmaindustrie. Die Schweinegrippe verläuft seit Monaten milde. Ich sehe keinen Grund für größere Impfaktionen. Die Hersteller verdienen gut an der Schweinegrippe. Die Umsätze betragen weltweit mehrere Milliarden Euro, prangert Wolfgang Becker-Brüser an.
Sandra Wobrazek
Pro und Contra - Was Mediziner zur umstrittenen Impfung sagen und wie sich die Welt auf das Virus vorbereitet, lesen Sie im NEWS 44/09!
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