Mittwoch, 21. Oktober 2009

Angst-Sparen: Markus R. Leeb
über die neue Schere im Kopf

  • Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?

Wir müssen sparen. Diesen Stehsatz höre ich seit Wochen ständig wie das neue Mantra unserer westlichen Gesellschaft, die auf Wachstum und Konsum ausgerichtet ist. Niemand weiß, wohin die konjunkturelle Reise der nächsten Monate gehen wird. Mit Erstaunen vernimmt man in den Zwischensätzen unserer Regierungsmitglieder oder auch echter Experten, dass wir Zeiten voller Entbehrungen vor uns haben. Die Arbeitslosigkeit soll enorm steigen, und überhaupt sind die fetten Jahre eben passé.

Wie sehr diese Angst machenden Zwischentöne zur Schere im Kopf werden, merken wir in der Redaktion an den täglichen Fragen: Wo soll ich mit dem Geld hin? Ist Gold jetzt eine gute Anlage? Und: Wie sicher ist mein Job?

Diese Angst wirkt lähmend, und das ist das Schlimmste daran. Zudem ist sie auch ein perfekter Nährboden für Sozialabbau. Als Mitarbeiter akzeptiert man leichter miese Beschäftigungsverhältnisse, auch wenn diese nicht legal sind. Wenn sich das Unternehmen nicht mehr leisten kann, gibt es eben keinen Kläger. Eines der größten Bedrohungsszenarien und gleichzeitig ein Paradoxon sind stockende Reformen. Wer will schon Bürokratie abbauen, wenn es dadurch mehr Arbeitslose gibt? Werden eben Gebühren und Steuern erhöht. Das wirkt auch schnell.

Markus R. Leeb

leeb.markus@news.at

21.10.2009 12:27