Mittwoch, 21. Oktober 2009

"Unser Erfolgsgeheimnis": Marlies Schild
und Benni Raich wollen beide auf den Olymp

  • NEWS-Interview: Gemeinsam schon 54 Weltcupsiege
  • Seit fünf Jahren ein Herz und eine Seele für den Sport

Seit über fünf Jahren sind die beiden Skistars nun schon zusammen. Ihr Geheimnis: Schild und Raich versuchen, Berufliches und Privates strikt zu trennen. Natürlich „schinden“ sie das eine oder andere Mal gemeinsam Kondition oder absolvieren gemeinsam einen Trainingslauf. Aber sonst wird das Thema Ski in den eigenen vier Wänden so weit wie möglich ausgeklammert. Was sie nicht daran hindert, einem gemeinsamen Traum nachzuhängen: Olympiagold im Februar 2010.

NEWS: Vor einem Jahr drohte Ihnen nach einem schweren Trainingssturz das Karriereende. Wie geht es Ihnen heute?

Marlies Schild: Ich schaue nur nach vorn und sehe diese Situation als eine neue Herausforderung in meinem Leben. Ich bin fit, versuche, unter den gegebenen Bedingungen das Beste herauszuholen und meinen Weg zu gehen.

NEWS: War für Sie Aufhören jemals ein Thema?

Schild: Natürlich gab es auch Phasen, wo ich mir gedacht habe, ob das Ganze überhaupt noch einen Sinn macht. Aber sehr bald habe ich gemerkt, dass mir der Sport und im Speziellen das Skifahren nach wie vor sehr viel Spaß macht. Deshalb habe ich mir auch gesagt, ich möcht’s noch einmal probieren.

Benjamin Raich: Mir war unmittelbar nach dem Unfall gar nicht so richtig bewusst, wie schwer ihre Verletzung eigentlich ist. Erst nach und nach sind wir alle miteinander draufgekommen, wie viel Glück die Marlies bei allem Unglück gehabt hat. Daher grenzt es für mich fast schon an ein Wunder, wie gut sie heute körperlich beinander ist. Ich glaube, dass das nicht einmal ihre Trainer so richtig verstehen.

Schild: Ich bin vom Typ her sicher sehr ehrgeizig, aber ich habe gerade durch diese letzte Verletzung gelernt, noch mehr auf meinen Körper zu hören. Im Prinzip gibt mir beim Comeback mein Körper das Tempo vor.

NEWS: Ist das in einer solchen Situation nicht eine zusätzliche Belastung, wenn zwei Weltklasseathleten auch privat miteinander verbunden sind?

Raich: Für mich war das sicher auch keine leichte Zeit, als die Marlies im vergangen Herbst schwer verletzt im Spital gelegen ist und ich mich gleichzeitig auf die neue Saison vorbereiten musste. Ich hab dann versucht, mich auf mein eigenes Ding zu konzentrieren und daneben so viel Zeit wie nur möglich mit ihr zu verbringen. Ansonsten ist das Thema Skifahren bei uns privat eher zweitrangig. Ich mische mich bei ihr nie in sportliche Dinge ein. Das gilt auch umgekehrt. Jeder von uns hat sein Trainerteam. Man muss das Sportliche vom Privaten einfach trennen.

Schild: Wenn’s daheim passt und du von dort mit Begeisterung unterstützt wirst, fällt alles viel leichter. Obwohl sich unser Leben nicht ausschließlich um den Skisport dreht, ist es natürlich auch eine große Unterstützung, wenn sich die Familie dafür interessiert, was du im Sport machst.

Raich: Es ist wichtig, wenn du weißt, woher du kommst, und wenn dort sozusagen alles im Lot ist. Für unsere Familien bleiben wir immer dieselben, egal ob ein Rennen einmal gut gelaufen ist oder nicht.

NEWS: Sind Sie eigentlich von Ihren Eltern zum Spitzensport gedrängt worden?

Schild: Ganz im Gegenteil. Als Kind war’s für mich die größte Strafe, wenn mich meine Eltern nicht zum Skifahren mitgenommen haben.

Raich: Wenn du von daheim zum Sport gezwungen wirst, funktioniert das auf die Dauer nicht. Deshalb sagen ja viele mit 15 oder 16 Jahren: Schluss damit, das interessiert mich nicht mehr. Es geht daher darum, dass du als Kind alle Möglichkeiten bekommst, dein sportliches Talent auszuleben. Wenn du in einer Familie aufwächst, in der Mama und Papa den ganzen Tag vorm Fernseher herumsitzen und sich Kartoffelchips hineinschieben, dann hast du wahrscheinlich selber auch nur wenig Lust auf Sport. Wir beide haben das Glück, dass es bei uns zuhause anders war.

NEWS: Was sind die Vorteile einer solchen privaten Beziehung von zwei Topathleten?

Schild: Wir wissen beide, wie wichtig der Sport in unserem Leben ist. Da bringst du natürlich auch mehr Verständnis dafür auf, wenn der eine wieder einmal für längere Zeit auf Trainingslager oder bei Rennen unterwegs ist. Und der Vorteil zuhause ist, dass wir einfach den gleichen Tagesrhythmus haben, mit täglich zwei Trainingseinheiten. Außerdem können wir uns an Tagen, wo du vielleicht einmal nicht ganz so gut drauf bist, gegenseitig motivieren. Radfahren zum Beispiel macht gemeinsam mehr Spaß.


Lesen Sie das komplette Interview im aktuellen NEWS Nr. 43/09!

21.10.2009 12:49