Freitag, 23. Oktober 2009

"Napoleon" in Paris: Jean Todts Erfolgsweg
in der Formel 1 ist lang und einzigartig

  • Franzose brachte Ferrari mit Schumi auf Vordermann
  • "Es wartet jetzt große Herausforderung auf Jean"

Seinen ersten Ferrari kaufte er sich mit 20 Jahren für weniger als 1.000 Euro. Drei Jahrzehnte später startete Jean Todt mit dem Formel-1-Traditionsrennstall durch und bescherte sich und der Scuderia Millionen. Der Franzose wurde zum erfolgreichsten Teamchef Ferraris, die Bilanz ist beeindruckend: 98 Grand-Prix-Siege und 13 WM-Titel. 2007 gab Todt den Posten des Teamchefs an Stefano Domenicali ab und wurde Geschäftsführer bei Ferrari. Die Trennung der Erfolgsehe erfolgte 2008, doch nun kehrt der kleine Mann auf die große Bühne des Motorsports als weltweit höchster Automobilfunktionär zurück.

So kennt ihn die Öffentlichkeit: die Fingernägel mit weißem Tape abgeklebt, sein Blick immer etwas verkrampft. Todt gilt als harter Hund. Die Spitznamen "Der General" oder "Napoleon" lassen kaum Fragen offen. Mit seinem Führungsstil brachte er die niederliegende Scuderia auf Vordermann, mit Michael Schumacher als Pilot und Ross Brawn als Technischem Direktor bestimmte er die sportlichen Schlagzeilen der Formel 1.

"Es wartet jetzt eine große Herausforderung auf Jean, aber ich habe noch keine Herausforderung erlebt, der er nicht gewachsen gewesen wäre", sagte Formel-1-Rekordweltmeister Schumacher nach der Wahl Todts zum FIA-Präsidenten. "Auf ihn kann man sich in allen Bereichen verlassen, in denen die FIA aktiv ist", hatte sein Vorgänger und Fürsprecher Max Mosley schon vor der Wahl gesagt.

Der Sohn polnischer Einwanderer kennt die Motorsportszene in- und auswendig. Seit 1966 ist er dabei. Zuerst als Co-Pilot im Rallye-Boliden. 1981 beendete er diese aktive Karriere, 1982 wurde Todt Rennsport-Direktor bei Peugeot. Mit dem eigenen Peugeot Talbot Sport Team gewann er zwei Konstrukteurstitel in der Rallye-WM und zwei Fahrerweltmeisterschaften, ehe er 1993 zu Ferrari wechselte. Dort stieg der Absolvent der "School of Economics and Business" vom Teamchef zum Direktor und Geschäftsführer auf.

Mit Ex-Bond-Girl liiert
Liiert ist Todt mit dem ehemaligen Bond-Girl Michelle Yeoh ("Der Morgen stirbt nie"). Sein Sohn Nicolas stammt aus erster Ehe. Todt Junior verdient ebenfalls im Rennsport sein Geld, er ist Rennstall-Besitzer und Fahrer-Manager. Zu seinen Klienten zählt unter anderem der Brasilianer Felipe Massa, der sich auf sein Formel-1-Comeback bei Ferrari im kommenden Jahr nach seinem schweren Unfall vorbereitet.

Jean Todt kennt Massa und viele andere Fahrer sowie Teamverantwortliche noch aus seiner eigenen Zeit an den Strecken, die die PS-Welt bedeuten. Nun ist er Chef des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), der neben dem Motorsport auch für die Bereich Automobile, Mobilität und Tourismus verantwortlich zeichnet. Mit welchem Auto Todt demnächst zu seinen Terminen kommt, bleibt abzuwarten.

(apa/red)

23.10.2009 17:15
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts