Donnerstag, 22. Oktober 2009

Räuber freigelassen und Toten bestohlen:
Exekutive in Rio gerät ins schlechte Licht

  • Vorfall von Überwachungskamera aufgenommen
  • Skandal um unterlassene Hilfeleistung für Opfer

Ein Skandal um unterlassene Hilfeleistung für ein lebensgefährlich verletztes Opfer eines Raufüberfalls setzt die Polizei von Rio de Janeiro in schlechtes Licht: Die Behörden nahmen Ermittlungen gegen zwei Beamte auf, die das Opfer verbluten und die Täter laufen ließen. Vorher nahmen sie den Dieben die Jacke und Turnschuhe ab, die diese dem Opfer geraubt hatten, und behielten sie offenbar selbst. Im Polizeibericht wurden die Gegenstände nicht erwähnt.

Brasilianische Medien veröffentlichten Bilder des Vorfalls im Stadtzentrum, die von einer Überwachungskamera aufgenommen wurden. Demnach trafen die Polizisten bereits eine halbe Minute nach dem Überfall am Tatort ein. Die Diebe hatten ihr Opfer zu Boden gestoßen und auf den Mann geschlossen. Die Kamera zeigt, wie die Polizisten hinter den Tätern herrennen, sie stellen - und schließlich laufen lassen. Das 42-jährige Opfer verblutete in der Zwischenzeit.

Die Polizei in Rio hat vor allem mit der steigenden Kriminalität in den Favelas zu kämpfen. In den vergangenen vier Jahren starben mehr als 580 Polizisten in Ausübung ihres Dienstes. Dennoch sind die Polizisten unterbezahlt und schlecht ausgebildet. Dutzende werden alljährlich wegen Korruption und unnötiger Gewaltanwendung entlassen. Derzeit tobt in den Armenvierteln ein Drogenkrieg, bei dem seit dem Wochenende mindestens 33 Menschen getötet wurden.
(apa/red)

22.10.2009 17:23