Rache oder Gerechtigkeit? Vater entführte
Mörder seiner Tochter nach Frankreich
- Deutschland wollte verurteilten Arzt nicht ausliefern
- Richter verfügte jetzt Haft über entführten Dieter K.

Jahrelang kämpfte der Franzose Andre Bamberski dafür den Mörder seiner Tochter Kalinka hinter Gitter zu bringen. In Frankreich war der Arzt Dieter K. 1995 wegen der Tötung von Bamberskis Tochter zu 15 Jahren Haft verurteilt, aber von Deutschland nicht ausgeliefert worden. Jetzt riss dem Vater der Geduldsfaden: Er ließ den 74-Jährigen kurzerhand entführen und lieferte ihn gefesselt und geknebelt der französischen Polizei aus.
Bamberski gestand, die Tat für 20.000 Euro in Auftrag gegeben zu haben. "Ich habe mein Ziel erreicht", sagte der 71-Jährige gegenüber einer französischen Tageszeitung. Ein Haftrichter in Paris verfügte jetzt die Haft für den Arzt Dieter K. Wie aus Justizkreisen verlautete, blieb K. jedoch vorerst im Krankenhaus, nachdem er bei seiner Entführung Verletzungen im Gesicht erlitten hatte.
Vater droht selbst hohe Strafe
"Der Mörder meiner Tochter wird verurteilt werden", betonte Bamberski im Interview mit der Zeitung. Er habe 30 Jahre lang sein berufliches und privates Leben geopfert, um Gerechtigkeit zu erlangen. Dem Vater droht allerdings selbst eine empfindliche Strafe.
Stieftochter tödliche Spritze verabreicht
Der deutsche Arzt Dieter K. war gefesselt und geknebelt vor einem Gerichtsgebäude im ostfranzösischen Mülhausen gefunden worden. Er war 1995 durch ein Pariser Strafgericht in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dem Kardiologen wurde vorgeworfen, 1982 seiner damals 14-jährigen Stieftochter Kalinka, der Tochter Bamberskis, in Lindau eine tödliche Spritze verabreicht zu haben.
K. musste seine Strafe aber nie antreten, weil Deutschland ihn nicht an Frankreich auslieferte. Bamberski ist davon überzeugt, dass der Mediziner seiner Tochter 1982 eine dann tödliche Dosis Betäubungsmittel spritzte, weil er sie vergewaltigen wollte. Dieter K. wurde 1997 zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, weil er eine 16-jährige Patientin unter Narkose vergewaltigt hatte. Daraufhin verlor der Kardiologe seine ärztliche Zulassung, praktizierte aber weiter, weswegen er zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde, aber früher frei kam.
In Vorarlberg meldete sich ein dort wohnhafter staatenloser Kosovare freiwillig bei der Polizei und gab vor, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Diese Angaben der Staatsanwaltschaft im bayerischen Kempten wurden von den Vorarlberger Kollegen vorerst nicht bestätigt. (apa/red)
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