"Das ewige Leben": Wolf Haas-Adaption im Grazer Schauspielhaus nur mäßig geglückt
- Den Brenner-Krimi gibt es jetzt auch als Bühnenstück
- Ausgezeichnete Darsteller, wenig einfühlsame Regie

Wieder einmal musste ein Roman unbedingt auf die Bühne gebracht werden, und wieder einmal ist das Ergebnis etwas zwiespältig: Das Grazer Schauspielhaus zeigt mit der Bühnen-Adaption von "Das ewige Leben", dass auch eine ziemlich gelungene Dramatisierung noch kein Garant für einen geglückten Abend ist. Konnte doch Regisseurin Christine Eder offenbar mit dem Text von Wolf Haas nicht viel anfangen und setzte daher auf verzerrenden, nervigen Klamauk.
Die Sprache und die Atmosphäre des Krimis um den Ex-Polizisten Simon Brenner formte Pia Hierzegger auf gekonnte Weise zu einem Bühnenstück um, wobei die längeren Erzählpassagen erhalten blieben, was aber keineswegs störte. Dass immer einiges wegfallen muss, anderes verändert wird, liegt in der Natur der Sache - und wirft einmal mehr die Frage auf, warum jedes deutschsprachige Theater jede noch so zweifelhafte Mode mitmachen muss. Die Rechnung "gutes Buch = erfolgreiche Aufführung" ist nämlich in den seltensten Fällen aufgegangen.
Die Darsteller bewegen sich wie in einer Arena, geformt aus einem Zaun und weißen Plastikbechern (Bühne: Monika Rovan). Dort muss es zunächst regnen, sodass die Schauspieler für den Rest des Abend ständig auf dem glatten Boden ausrutschen. Die Spieler sind immer alle auf der Bühne, der Erzähler übernimmt trotzdem den Hauptpart, was bei einem Drama mitunter einen etwas bremsenden Effekt hat.
Von absurd bis blöd
Würde die Regisseurin auf das Stück und die Darsteller vertrauen, könnte ein recht unterhaltsamer und trotzdem dem Roman gerechter Abend entstehen. Doch Christine Eder dreht alles immer noch ein wenig weiter, das ohnehin schon Absurde wird unerträglich lächerlich, manch ein Scherz bis zum absoluten Überdruss wiederholt. Wenn einmal ein Buch und ein Schlagstock, die im Bund einer Jogginghose befestigt sind, durch die Hose rutschen und unten herauskommen, mag das witzig sein, beim zehnten Mal ist es nur noch blöd.
Die Darsteller schaffen es trotzdem, so etwas wie Atmosphäre und auch Spannung aufkommen zu lassen. Dominik Warta geht einfühlsam mit der sehr speziellen Sprache des Buches um, da stimmt jedes Wort und jede Silbe. Franz Solar ist ein überzeugender Simon Brenner, der sichtbar macht, dass sich der Nebel in seinem Kopf nur langsam und mühsam lichtet. Thomas Frank und Sebastian Reiß zeigen sich in verschiedenen Rollen unterschiedlich und präzise, Andrea Wenzl ist eine schlichte, etwas verschlagene Kellnerin ersten Ranges, und Susanne Weber steuert ein weiblich-dümmliches, nicht ganz so unschuldiges Opfer bei. Die stimmigen Kostüme stammen von Annelies Vanlaere.
(apa/red)
