Mittwoch, 21. Oktober 2009

Volksopernchef Meyer und Enrico-Legende
Heinz Zuber spielen "Häuptling Abendwind"

  • Robert Meyer als Häuptling Biberhahn und Zuber
  • als Chefkoch Ho-Gu in Nestroys Abschiedswerk

Es gibt wenig, was Johann Nepomuk Nestroy nicht auf den Punkt der Welt­skepsis zu bringen vermochte. Zum Beispiel das: „Man möchte manchmal Kannibale sein. Aber nicht, um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.“

Das Thema muss ihn großräumiger beschäftigt haben, denn der Satz entstammt überraschenderweise nicht „Häuptling Abendwind“, dem Vater aller Menschenfresserstücke. Robert Meyer, 56, zitiert ihn trotzdem gern. Nestroy war quasi von der ersten Karriereminute an der Schicksalsautor des ­langjährigen Burgtheater-Stars und nunmehrigen Volksopern-Direktors. Und mag in seiner dritten Saison der musikalische Aspekt zwischendurch auch suboptimal bewirtschaftet sein: Die Atmosphäre stimmt, seit der Direktor selbst unzählige Male auf der Bühne steht. Befürchtete er je, seine Ausstrahlung könne nicht stark genug sein, um ein Haus derart zu repräsentieren? „Wenn man diesen Schritt tut, darf man daran nicht denken. Mir war klar, dass ich mich voll und ganz in die Waagschale werfen muss. Das bedeutet: Präsenz auf der Bühne, Regieführen und im Pausenfoyer für das Publikum ansprechbar und für die Mit­arbeiter im Haus immer erreichbar sein.“

"Häuptling Abendwind"
Ab 25. Oktober zeigt er als Hauptdarsteller und Regisseur Nestroys Abschiedswerk „Häuptling Abendwind“, und zwar im Original, wie man es nie zu sehen bekommt: als deutsche Übertragung einer Operette Offenbachs mit dessen kompletter Partitur in ­kleiner Besetzung. Meyer ist Häuptling Biberhahn der Heftige, welcher der benachbarten Südeseeinsel einen Staatsbesuch abstattet, um das Zerwürfnis mit Amtsbruder Abendwind dem Sanften (Carlo Hartmann) aus dem Weg zu räumen. Im Gefolge tradierter kulinarischer Sitten muss er freilich nach dem Bankett befürchten, sein Magen wäre als vorletzte Ruhestätte seines ­eigenen Sohnes missbraucht worden. Ho-Gu, der schmierige Chefkoch, ist einer Legende anvertraut: Heinz Zuber, 68, der neben seiner Burgtheater-Existenz das Kinderfernsehen für zwei Generationen als Clown Enrico personifiziert hat, kehrt aus der Pension in den Staatstheaterverband zu rück. Für ihn wurde ein Kannibalencouplet aus Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ (mit wertvollen Hinweisen zur Zubereitung von Sportlerkotelett und Politikerleber) ins Geschehen operiert.

Fremdenhass in Lederhose
Hinter der knallkomischen Fassade verbirgt sich eine von der Zensur missbilligte Satire auf Fremdenhass und Nationalismus. Biberhahn trägt eine Lederhose und das Band einer schlagenden Verbindung. In der Fernsehdiskussion zum ­ersten Jahrestag des Kärntner Weltuntergangs habe er Nestroy fast wörtlich wiedergefunden, sagt Meyer. – „Ich habe nachgelesen, weil ich dachte, der Robert hätte den Text aktualisiert“, bestätigt Zuber. „Aber es war alles Nestroy.“

Heinz Sichrovsky

Das ausführliche Interview mit den beiden Darstellern lesen Sie im neuen NEWS 43/09

21.10.2009 17:22

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

Regie: Barry Sonnenfeld

Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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