Donnerstag, 22. Oktober 2009

Ein historischer Moment im Nahen Osten:
Iran und Israel reden über ihre Atompolitik

  • Erster Dialog seit der Islamischen Revolution 1979
  • Iran dementiert Gespräche: "Akt der Propaganda"

Ein historischer Moment im Nahen Osten. Eine Vertreterin der israelischen Atombehörde und ein iranischer Repräsentant haben sich vergangenen Monat mehrmals in Kairo getroffen, um über eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten zu sprechen. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Yigal Palmor, bestätigte , ein solches Treffen habe stattgefunden. Es wären die ersten Gespräche dieser Art seit der Islamischen Revolution im Iran im Jahre 1979. Der Iran wies die israelischen Angaben jedoch zurück.

Nach Informationen der israelischen Tageszeitung "Haaretz" war bei den Gesprächen von israelischer Seite die Polizei- und Waffendirektorin der israelischen Atomenergie-Kommission, Meirav Zafary-Odiz, und von iranischer Seite der Delegierte bei der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO bzw. IAEA), Ali Asghar Soltanieh, vertreten. Sie sollen sich laut der Online-Ausgabe der "Haaretz"am 29. und 30. September zu drei Arbeitssitzungen unter der Federführung der Internationalen Kommission für atomare Nicht-Weiterverbreitung und Abrüstung (ICNND) im "Vier Jahreszeiten-Hotel" in Kairo getroffen haben.

"Akt der Propaganda"
Wie das staatliche iranische Fernsehen auf seiner Internetseite berichtete, dementierte der Sprecher der iranischen Atombehörde, Ali Shirzadian (Schirsadian), die Angaben über die Gespräche mit Israel. Er sprach demnach von einer Lüge und einem "Akt der Propaganda". "Die Berichte in dieser Sache sind reine Lügen und es hat kein Treffen in Kairo gegeben", so Shirzadian. Bei dem "Haaretz"-Bericht handle es sich um psychologische Kriegsführung. Ziel der "Operation" sei es, die "erfolgreichen (Nuklear-) Gespräche in Genf (1. Oktober) und Wien (19. bis 21. Oktober) zu untergraben", sagte er.

"Es gab in einem regionalen Zusammenhang mehrere Treffen zwischen einer Vertreterin unserer Kommission und einem iranischen Regierungsvertreter", sagte die israelische Kommisssions-Sprecherin für Atomenergie, Jael Doron. Es habe aber keine direkte Interaktion zwischen den Repräsentanten Israels und des Irans gegeben. "Er hat gesprochen, sie hat gesprochen, aber es gab keinen Dialog. Die Treffen fanden hinter verschlossenen Türen statt", sagte Doron. Sie seien von Australien organisiert worden.

Vertraulichkeit gebrochen
Weitere Einzelheiten könne sie nicht mitteilen, so Doron. Ohnehin sei ursprünglich absolute Vertraulichkeit vereinbart worden, die aber inzwischen von dritter Seite durchbrochen worden sei. "Haaretz" berichtete, dass die australische Tageszeitung "The Age" aus australischer Quelle Informationen über das Treffen erhalten haben soll. Allerdings beruft sich "The Age" in ihrer Online-Ausgabe in einem Artikel über das Treffen auf die AFP und "Haartez" als Quelle.

Israel gilt als einzige, aber nicht erklärte Atommacht im Nahen Osten und hat mehrfach zu verstehen gegeben, ein iranisches Atomwaffenprogramm notfalls durch einen militärischen Angriff stoppen zu wollen. Während Teheran sein Atom-Programm nach eigenen Angaben ausschließlich zu friedlichen Zwecken betreibt, vermuten etwa Israel und die USA dahinter militärische Absichten.

(apa/red)

22.10.2009 16:31