Grasser wäscht seine Hände in Unschuld:
Verwicklung in Buwog-Affäre dementiert
- Grassers Rechtsanwalt kritisiert "Skandalisierung"
- Ermittlungen gegen Ex-Finanzminister nach Anzeige

·Spektakuläre Wende in der Buwog-Affäre
FORMAT: Grasser ist nun offiziell Beschuldigter
·"Ich bin das Opfer einer schiefen Optik"
Buwog: Grasser bestreitet
jegliche Anschuldigungen
·Grasser stürzt bei
Umfragewerten ab
NEWS: Nur 12 Prozent
glauben dem Ex-Minister
·"Er lügt offensichtlich um Rache zu nehmen"
NEWS.at-Video: Grasser
startet Gegenoffensive
·Regierung: Nein zu Grasser-U-Ausschuss
Antrag der Grünen von SPÖ und ÖVP abgelehnt
·Buwog: Meischberger stundenlang angehört
Aussage soll nicht sehr ergiebig gewesen sein
·Buwog-Affäre: Der geheime Strafakt
Heimlicher Tipp aus dem Finanzministerium?
Karl-Heinz Grasser weist eine Verwicklung in die Buwog-Affäre zurück. Nachdem Ermittlungen gegen den Ex-Finanzminister wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch, Geheimnisverrat und wettbewerbsbehindernde Absprachen eingeleitet wurde, schickt Grasser nun seinen Anwalt in den Ring. Der feuert erst einmal eine Breitseite in Richtung Medien.
Rechtsvertreter Manfred Ainedter ortet nämlich eine "Skandalisierung" der Medien und kritisiert insbesondere "Format", das als erstes Medium von den Ermittlungen gegen den Ex-Finanzminister berichtet hatte. Die Ermittlungen gegen Grasser seien aufgrund einer Anzeige der Grünen eingeleitet worden, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch.
Der Anwalt wies ferner darauf hin, dass nach einer Anzeige jeder von der Justiz als Beschuldigter geführt werde, falls die Causa nicht sofort niedergelegt wird. Ainedter will heute Akteneinsicht nehmen. Eine Hausdurchsuchung bei Grasser oder eine Ladung zur Einvernahme des früheren Regierungsmitglieds habe es bisher nicht gegeben, so der Anwalt.
Der Verkauf der Bundeswohnungen fand 2004 während der Amtszeit der ÖVP-FPÖ-Koalition unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel statt und wurde schon damals von Opposition und Rechnungshof heftig kritisiert. Die nun geführten Ermittlungen der Justiz kamen durch Zeugenaussagen in der Immofinanz-Affäre ins Rollen. Der PR-Berater Peter Hochegger sowie der Lobbyist und Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger erstatteten Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung eines von der Immofinanz erhaltenen Honorars in Höhe von insgesamt 9,6 Mio. Euro. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide wegen Verdacht auf Untreue und Steuerhinterziehung, es gilt die Unschuldsvermutung. Die Immofinanz hatte die Provision nach dem Zuschlag gezahlt: Meischberger kassierte 7,688 Mio. Euro (80 Prozent), Hochegger 1,922 Mio. Euro (20 Prozent).
Verdächtiger Ausgang bei Mieterverfahren?
Das Bieterverfahren hatte einen knappen Ausgang: Erst in der letzten Runde und nach dem Verzicht des Landes Kärnten auf den Kauf der im Paket enthaltenen Villacher Wohnungsgesellschaft ESG war die Immofinanz knapp vor der CA Immo Bestbieter. Ohne ESG wäre die CA Immo mit einem Anbot von 747 Mio. Euro um 20 Mio. Euro vor der Immofinanz gelegen. Beim Anbot inklusive der ESG lag hingegen die Immofinanz mit 830,6 Mio. Euro um nur 1,19 Mio. Euro voran.
Im Zuge der Ermittlungen wurden bereits Hausdurchsuchungen bei Hochegger und Meischberger durchgeführt und Zeugen einvernommen. Michael Ramprecht, ehemals Kabinettsmitarbeiter von Grasser, hat diesen schwer belastet - es gilt die Unschuldsvermutung. Die Privatisierung im Jahr 2004 sei "ein abgekartetes Spiel" zugunsten der Immofinanz gewesen, behauptet Ramprecht, der damals als Geschäftsführer der Bundesbeschaffungs GmbH (BBG) die Buwog-Privatisierung betreute. Für Grasser und alle anderen Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
(apa/red)
