Friedensnobelpreis für Barack Obama:
Heinz Fischer über seine Freude darüber
- In 9 Monaten kann man nicht mehr bewegen als er
- Der NEWS-Gastkommentar des Bundespräsidenten

Am Freitag, dem 9. Oktober (meinem Geburtstag), fragte mich meine Frau beim Frühstück, ob ich eine Idee hätte, wer den heurigen Friedensnobelpreis bekommen könnte. Keine Ahnung, lautete meine Antwort, aber um 13 Uhr werden wir es wissen. Das war falsch. Denn schon knapp nach 11 Uhr erhielt ich die Mitteilung, dass US-Präsident Barack Obama für den Friedensnobelpreis ausgewählt wurde. Zuerst große Überraschung. Dann große Freude.
Man kann nicht mehr leisten
Die Überraschung hatte gute Gründe: Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass Obama schon nach den ersten neun Monaten seiner Amtszeit echte Chancen auf diese Auszeichnung haben könnte. Er steckt in einem Krieg in Afghanistan (den er von seinem Vorgänger geerbt hat), und die Ernte seiner vielen Initiativen muss erst in die Scheune gebracht werden. Und doch waren die Reaktionen weltweit überwiegend positiv. Und das zu Recht. Denn man kann in neun Monaten Amtszeit nicht mehr leisten und nicht mehr in Richtung Frieden bewegen, als Obama dies getan hat. Und er hat bisher mehr Schritte in die jeweils richtige Richtung gesetzt als manch anderer Präsident während seiner gesamten Amtszeit.
Ich erinnere mich ganz deutlich, mit welcher intensiven Zustimmung ich Obamas Rede zum Thema Klimawandel beim Klimagipfel der Vereinigten Nationen am 22. September in New York verfolgt habe. Ich erinnere mich, wie begeistert ich nur 24 Stunden später über den Inhalt seiner großartigen Rede bei der Eröffnung der Generalversammlung der Vereinten Nationen am selben Ort war. Und ich erinnere mich, wie stark der Eindruck war, den er weitere 24 Stunden später im Sicherheitsrat der Vereinigten Nationen erzielt hat, als unter seinem Vorsitz eine Resolution über das Ziel nuklearer Abrüstung diskutiert und beschlossen wurde.
Wenn Staatsmänner schon während ihrer aktiven Tätigkeit den Friedensnobelpreis erhalten, wie das ja auch bei Kofi Annan, bei Arafat und Shimon Peres, bei Henry Kissinger, bei Nelson Mandela oder bei Willy Brandt der Fall war, dann ist damit immer ein Risiko verbunden. Das gilt auch für Barack Obama, dem noch schwierige Zeiten bevorstehen werden.
Verantwortung und Verpflichtung
Aber wer als US Präsident so viele Zeichen des Interesses an friedlichen Problemlösungen, des Interesses an Abrüstung, der Bereitschaft zum Dialog, des Interesses an einer multipolaren Welt, des Bemühens um eine Lösung des Nahostkonfliktes, der Verständigung mit dem Islam etc. gezeigt hat wie Obama, der steht durchaus in einer Reihe mit den vorstehend genannten Friedensnobelpreisträgern auch wenn er erst neun Monate im Amt ist. Daher nicht nur Überraschung, sondern auch Freude über diese Entscheidung, aus der allerdings auch Verantwortung und Verpflichtungen für Obama erwachsen.

