Hurch kritisiert die hiesige Kulturpolitik:
"Bis zur Unkenntlichkeit in Politik aufgelöst"
- "profil": Viennale-Chef sieht Versagen bei Restitution
- Grassers Politikverständnis für Hurch "ein Skandal"

In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" kritisiert der Direktor des - am Donnerstag startenden - Wiener Filmfestivals Viennale die hiesige Kulturpolitik: Sie habe sich "bis zur Unkenntlichkeit in der Politik aufgelöst", klagt Hurch. "Kulturministerin Claudia Schmied hätte etwa in Sachen Restitution wenigstens einmal sagen können, dass wir nach all dem Unrecht lieber ein Gemälde zuviel zurückgeben als eines zuwenig. Das hätte ich gesagt."
Was ihn zudem provoziere, sei "die tägliche Schlagzeile der 'Kronen Zeitung'". Karl-Heinz Grassers Politikverständnis werde "verharmlost, obwohl es ein Skandal ist", sagt Hurch - und zitiert aus der französischen Geschichte: "Bereichern Sie sich, meine Herren! Das ist genau die Politik von Grasser & Co. - nehmt euch, was ihr kriegen könnt, gern auch all das, was der Gesellschaft gehört."
Seinen 2010 auslaufenden Vertrag als Viennale-Direktor plant Hurch zu verlängern: "Wenn das Kuratorium beschließt, mich bis 2013 als Direktor erhalten zu wollen, werde ich das gerne annehmen." 2013 würde Hurch seine 17. Viennale gestalten. Seine diesjährige Eröffnungsrede könnte sich, deutet Hurch an, auch um den Todesfall in Krems drehen: "Das regt mich maßlos auf: Die Polizei knallt einen 14-Jährigen einfach so ab. Schießt ihm in den Rücken. Im Davonlaufen. Und die 'Krone' spuckt dem Toten noch aufs Grab. Den zweiten, schwer verletzten Jugendlichen sperren sie in Untersuchungshaft. Dabei gehörte eigentlich der Todesschütze wegen Verdunkelungsgefahr eingesperrt."
(apa/red)

