Sonntag, 18. Oktober 2009

Schweizer schießen sich auf Minarette ein:
Online-Spiel gegen Muezzins erhitzt Gemüter

  • Reaktionen: "Die Schamgrenze ist überschritten"
  • Umstrittene Plakatkampagne in Schweizer Städte

Die Anti-Minarett-Initiative bewegt die Schweizer Gemüter. Die Befürworter haben die nächste Stufe gezündet und ein Online-Spiel ins Internet gestellt: Es gilt, aus dem Boden schießende Gebetstürme und darauf auftauchende Muezzins abzuschießen. Die Reaktionen sind heftig. "Geschmacklos", kommentiert Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam gegenüber der Sonntagspresse: "Die Schamgrenze ist überschritten."

Entrüstet zeigt sich auch Hisham Maizar, Präsident der Föderation islamischer Dachverbände der Schweiz: "Den Initianten ist alles recht, um die Volksmeinung zu beeinflussen." Das Spiel suggeriere, der Muezzin sei der nächste Schritt. "Auf Schweizer Minaretten gab es noch nie einen Muezzin und es wird auch keinen geben", unterstrich er.

Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf (Bürgerlich-Demokratische Partei/BDP) erklärte in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ), es gebe das kantonale und das kommunale Baurecht, Lärmschutzvorschriften des Bundes und den allgemeinen Immissionsschutz-Artikel des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB), wonach Immissionen - in diesem Fall Muezzin-Rufe - das an einem Ort Übliche nicht übersteigen dürfen. "Speziell in einer christlich geprägten Gemeinde kann ein Muezzin-Ruf untersagt werden", stellte Widmer-Schlumpf klar.

Umstrittene Plakatkampagne
Beim UNO-Menschenrechtskomitee hat die Anti-Minarett-Initiative hohe Wellen geschlagen. Ein Vertreter des UNO-Gremiums zeigte sich empört über die "erschreckende Plakatkampagne" der Befürworter im Abstimmungskampf.

Verschiedene Schweizer Städte haben das Aufhängen des höchst umstrittenen Anti-Minarett-Plakats auf öffentlichem Grund bereits untersagt. Zu sehen darauf sind Minarette, die wie Raketen aus der Schweizer Fahne ragen. Stattdessen will das Initiativkomitee ein zweites Plakat aufhängen. Es zeigt das Wort "Zensur" mit dem Slogan "Trotzdem: Ja zum Minarettverbot."

Andere Städte äußerten Zweifel, dass die diskriminierende Wirkung des Plakates groß genug sei, um die in der Schweizer Bundesverfassung verankerte Meinungsfreiheit zu beschneiden. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) übt harsche Kritik am umstrittenen Plakat, sah aber von einer Verbotsempfehlung ab.

Rechtliche Schritte
SVP-Nationalrat Walter Wobmann, zugleich Präsident des Initiativkomitees gegen die Gebetstürme, übte heftige Kritik an den Verbotsentscheiden. "So können wir die Demokratie gleich ganz abschaffen." Für Wobmann ist es ein politisch motivierter Entscheid, der sich als "Eigengoal" erweisen werde. Er kündigte rechtliche Schritte wegen des Plakatverbots gegen die Stadt Basel einzuleiten an.

Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) schrieb, als Redner für die Anti-Minarett-Initiative sei auch der Israeli Avi Lipkin unterwegs. Dem Blatt zufolge vermittle er auch in etwa die Botschaft, dass Allah Gottes Antagonist, also der Teufel sei. Die Berner Gemeinschaft der Muslime erstattete nach Lipkins erstem Auftritt Anzeige wegen Rassendiskriminierung. In einer späteren Rede habe der Israeli davon abgesehen, den Islam als "Psychose" zu bezeichnen.

Der aus Christen, Juden und Muslimen bestehende Schweizerische Rat der Religionen stellte sich bereits Anfang September entschieden gegen die Minarett-Initiative. Am 29. November stimmen die Eidgenossen über die Vorlage ab, die das Bauverbot in der Verfassung verankern will.

Nebenbei wurde auch bekannt, dass der Verein der Ex-Muslime eine Kampagne für das Verbot des Ganzkörperschleiers in der Schweiz startet. "Man muss die Burka in der Schweiz verbieten", sagte Ebadullah Mehtinezhad, Exil-Iraner und Präsident der Ex-Muslime Schweiz, zur Zeitung "Sonntag". Auf Sukkurs kann er zählen. SVP-Nationalrat Lukas Reimann befürwortet ein Verbot des Ganzkörperschleiers: "Die Burka ist ein Symbol für die Unterdrückung der Frauen", wurde er zitiert.

(apa/red)

18.10.2009 16:59
HGPeitl, 20. 10. '09 07:09
Wäre dies in Österreich passiert
Wäre dies in Österreich passiert, so hätte man wieder einmal geschrien: Diese Nazis.

Die Schweiz hat folglich entdeckt, dass die freiheitlichen Kritikpunkte (FPÖ) wohl doch nicht so unberechtigt sind. Oder?

Schweizer Nazis, oder steckt hinter der Angst vor Minareten doch mehr? Werden durch die Burka die Menschenrechte tatsächlich mit den Füssen getreten?

Noch dazu kommt, dass diese Forderungen in der Schweiz von den Sozialisten kommen. Wie steht es in der Folge mit der Ausgrenzung der FPÖ durch die SPÖ? Unberechtigt? Oder würde Faymann auch die Schweizer Sozialdemokratie ausgrenzen?

Hans-Georg Peitl
Verband der Unabhängigen-
Journalisten
www.freiheitlich-macht.schluss.tv
maierhofer____, 20. 10. '09 16:07
Re: Wäre dies in Österreich passiert
Du gehst mir mit deinem "unabhängigen" Journalismus langsam auf die Nerven... Du wärst nicht mal in der Lage einen Artikel für die Krone zu schreiben so parteiisch bist du...