Der überraschende Rückzug des Erwin Pröll:
Warum er doch nicht für die Hofburg antritt
- NEWS: "Niederösterreich ist mir einfach wichtiger"
- Bedenken in der ÖVP und höchste SPÖ-Fürsprecher
·Von Fischler über Fiedler bis zu Plassnik
NEWS: ÖVP sucht nach Kandidaten für Hofburg
·Was halten Sie von Prölls Entscheidung?
UMFRAGE: Hätte er zur
Wahl antreten sollen?
·Das Geheimnis um Erwin Pröll ist gelüftet
Landeshauptmann tritt nicht für die Hofburg an

Es war Niederösterreichs evangelischer Bischof, Superintendent Paul Weiland, der, so erzählt es Erwin Pröll, den letzten Anstoß für den niederösterreichischen Landeshauptmann gegeben habe, jetzt blitzartig auf die Bundespräsidentschaftskandidatur zu verzichten. Als nämlich Pröll dem Würdenträger am letzten Wochenende zu dessen 60. Geburtstag in Schloss Haindorf bei Langenlois das Silberne Komturkreuz verlieh, äußerte das Geburtstagskind einen Wunsch: Herr Landeshauptmann, lieber Erwin, bitte bleib im Land!, garniert mit minutenlangem, frenetischem Applaus von 500 Festgästen.
Pröll: Zudem sagten mir in den Wochen zuvor schon Tausende Landsleute immer wieder: Bitte, bleib da, wie solls denn im Land weitergehen? Da spürte ich: Die Entscheidung muss her, weil die Hofburg-Frage, die bis zum Sommer eher nur spekulativ war, längst zu erheblichen Diskussionen und Verunsicherungen im Land geführt hatte. Ich merkte: So konnte es nicht weitergehen, weil mir Niederösterreich wichtiger ist als ein persönlicher Karriereschritt!
Raue ÖVP-Kulissen
Parteipolitisch indes wehte längst ein viel stürmischerer Wind. Was sich ab Dienstagmittag, als Erwin Prölls Verzicht offiziell geworden war, sehr rasch verdeutlichte: Bei der ÖVP-Geheimtagung am Donnerstag zuvor, als Parteichef Josef Pröll alle VP-Landeschefs (mit Ausnahme seines Onkels) in Wien vergatterte, sprachen sich die Länder Vorarlberg und Tirol explizit gegen Erwin Prölls Hofburg-Kandidatur aus.
Schließlich gab es auch Bedenken wegen der Wahlkampffinanzierung (bei der Hofburg-Wahl gibt es keine Wahlkampfkostenrückerstattung) in Höhe von mindestens acht Millionen Euro Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad sei, ebenso wie Wirtschaftskammerpräsident Chris toph Leitl, tatsächlich nie ein Befürworter der Kandidatur gewesen. Und in Niederösterreich selbst ließ sich die Frage, wer Erwin Pröll im Amt des Landeshauptmanns nachfolgen könnte, so einfach nicht lösen, zumal der ÖAAB nach 17-jähriger Bauernbund-Vorherrschaft den Anspruch auf die Pröll-Nachfolge nachdrücklich anmeldete.
Fazit: All das trug auch zum Verzicht bei. Zumal Erwin Pröll selbst sehr genau weiß, dass es in der Bundespartei da und dort einige gibt, die zum Teil aus egoistischen oder anderen Überlegungen einer eigenen ÖVP-Kandidatur für die Hofburg skeptisch gegenüberstehen. Ebenso, dass manche in der ÖVP, aus welchen Gründen auch immer, an der bisherigen Amtsführung von Bundespräsident Heinz Fischer wenig auszusetzen haben.
Dass selbst SPÖ-Chef Werner Faymann ihn ermuntert hätte, beantwortet Pröll diplomatisch so: Ich würde bitten, dass ich namentlich nicht Antwort geben muss. Aber es waren hohe, höchste Amtsträger der SPÖ, ja.
2013 das magische Jahr
Seit Dienstagmittag ist für Erwin Pröll die persönliche Zukunft geklärt. Nach seinem phänomenalen Triumph 2008, als er bei der Landtagswahl 54,4 Prozent holte, wird er auch 2013 wieder als Landeshauptmann kandidieren: So der liebe Gott will, so die Landsleute wollen, so meine Freunde in der Partei wollen, kann man damit rechnen. Bundespolitisch hat Pröll mit dem Verzicht vielleicht überdies Weichen gestellt: Die Kanzler- Chance seines Neffen ist damit größer geworden er hat auf einen Schritt verzichtet, damit Josef Pröll einen großen Schritt machen kann. Eben spätestens 2013.
(Hubert Wachter)
Das Interview mit Erwin Pröll finden Sie im NEWS 42/09
