Dienstag, 13. Oktober 2009

Verfahren gegen Pilz und Westenthaler:
Staatsanwaltschaft Wien räumt Fehler ein

  • Wenig Personal & junge Kollegen als Grund genannt
  • U-Ausschuss: Justiz-Brief ein halbes Jahr unterwegs

Der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Werner Pleischl, hat im Spionage-
Untersuchungsausschuss Fehler der Staatsanwaltschaft sowohl im Verfahren den Grünen Abgeordneten Peter Pilz als auch in jenem den BZÖ-Abgeordneten Peter Westenthaler betreffend eingeräumt. Pleischl argumentierte dies unter anderem mit der Unerfahrenheit junger Kollegen und dem angesichts des hohen Arbeitsaufkommens niedrigen Personalstand.

Westenthaler seien etwa die Unterlagen zur Rufdatenerfassung bis heute nicht zugestellt worden, so Pleischl, der dies im Ausschuss umgehend anbot. Ebenso sei ein Schreiben des Abgeordneten an die Staatsanwaltschaft, in dem er Aufklärung erbat, unbeantwortet geblieben: "Ich bitte um Entschuldigung, das ist selbstverständlich Nachlässigkeit", so der Oberstaatsanwalt.

Auch in der Causa Pilz seien Fehler passiert: Während gegen den Grünen Peter Pilz ermittelt wurde, obwohl er durch seine parlamentarische Immunität geschützt gewesen wäre, wurde eine Amtsmissbrauchs-Anzeige gegen den früheren ÖVP-Innenminister Ernst Strasser von Staatsanwalt Christian Walzi laut seinen Angaben im Ausschuss "übersehen". Pleischl führte dies auf die Unerfahrenheit des jungen Kollegen zurück. Dass Pilz zuerst als Beschuldigter geführt und erst, nachdem ein Auslieferungsbegehren vom Nationalrat abgelehnt worden war, als Zeuge einvernommen wurde, sei zum damaligen Zeitpunkt "eine denkbare Rechtsposition" gewesen, erklärte Pleischl.

Ein Kuriosum am Rande: Pilz bemerkte bei der Befragung Pleischls, dass ein Brief zwischen Justizministerium und Oberstaatsanwaltschaft, in dem es um die Genehmigung der Verfahrenseinstellung ging, von Sommer 2008 bis Jänner dieses Jahres unterwegs war. Dies und die Aussagen des Oberstaatsanwalts zur Arbeitssituation in der Staatsanwaltschaft wertete die FPÖ deshalb als "Hilferuf". Ausschussmitglied Werner Neubauer forderte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner in einer Aussendung auf, die "Personalnot" zu bekämpfen.

(apa/red)

13.10.2009 11:45
sidestep, 14. 10. '09 07:37
Mangelnde Kontrolle
Lieber Herr Oberstaatsanwalt Pleischl!
Wenn ein junger Kollege unerfahren ist, dann haben sie diesen Kollegen besonders aufmerksam zu kontrollieren. Wenn Sie das nicht tun, machen Sie sich selbst einer Disziplinarsache strafbar (vernachlässigen der Aufsichtspflicht). Das, was Sie hier im U-Ausschuss sagen, ist nichts als eine Ausrede. Ich gehe mit Ihnen eine Wette ein, dass Ihre "jungen unerfahrenen Staatsanwälte" beim berühmten Hendeldieb sicher nicht das geringste Detail übersehen hätten. Und wenn es doch passiert wäre, wollen wir wetten, dass Sie sich bei diesem nicht entschuldigt hätten? Ich behaupte in dem Wissen, dass Sie mich verklagen können weiters, dass die "Unerfahrenheit" Ihrer jungen Staatsanwälte nicht Unerfahrenheit sondern vorauseilender Gehorsam und damit Vorsatz ist!