Dienstag, 13. Oktober 2009

"Brauchen mehr Personal": ÖVP will Ausbau der Ganztagsschulen nur mit mehr Lehrern

  • GÖD-Chef Neugebauer gegen längere Arbeitszeit
  • Spindelegger fordert Kostenbeitrag von den Eltern

Ein Ausbau der Nachmittagsbetreuung kommt für den Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Fritz Neugebauer, nur mit einer Aufstockung des Lehrer-Personals in Frage. Mehr Betreuung am Nachmittag dürfe nicht durch die "Mehrarbeit" von Lehrern finanziert werden. "Wir brauchen mehr Personal. Die Arbeitszeit zu verlängern ist nicht wirklich ein pädagogisches Konzept", so der Zweite Nationalratspräsident.

Aus seiner Sicht wird es sicher nicht zu der von Unterrichtsministerin Claudia Schmied im neuen Dienstrecht geplanten Anhebung der Lehrverpflichtung kommen: "Wir sind ausreichend argumentativ gerüstet, um dieses Match für uns zu entscheiden", gibt sich Neugebauer laut "Ö1" vor den Personalvertretungswahlen der Bundesbediensteten im November kämpferisch.

Neugebauer verweist auf "eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen", wonach die Arbeitszeit der Lehrer mit einer 40-Stunden-Woche in der Privatwirtschaft jedenfalls gleichzusetzen sei. Zudem hätten die Lehrer im Mai nach dem Streit um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden ohnehin schon Opfer gebracht, indem einzelne Zulagen gestrichen wurden. "Sie haben bereits 200 Millionen im Frühjahr abgeliefert aus Solidarität." Er wiederholte auch das Argument, dass eine Anhebung der Lehrverpflichtung mit Arbeitsplatzvernichtung gleichzusetzen sei.

Das zusätzliche Geld für einen Personalausbau für die Nachmittagsbetreuung soll laut Neugebauer "vom Steuerzahler" kommen. "Alles was wir uns sonst noch zusätzlich leisten wollen, muss man den Menschen sagen, ist zusätzlich zu finanzieren. Das ist so."

Spindelegger fordert Elternbeitrag
Die ÖVP will bei der Ausdehnung der Nachmittagsbetreuung an den Schulen auch einen Kostenbeitrag von Ländern, Gemeinden und Eltern einfordern. ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger räumte vor dem Ministerrat ein, dass mehr Nachmittagsbetreuung auch mehr kosten werde, "aber bei der Aufteilung der Kosten muss man auch realistisch sein". Er wünscht sich etwa eine Kostenbeteiligung der Eltern für die Verpflegung und die Betreuung der Kinder am Nachmittag.

Auch Vizekanzler Josef Pröll bekannte sich vor dem Ministerrat zur Ausdehnung der Nachmittagsbetreuung: "'Das politische Ziel ist klar, es muss in Richtung Ganztagsschule gehen." Angesprochen auf eine längere Lehrerarbeitszeit sagte der Finanzminister, man werde auch über das Dienstrecht diskutieren müssen. Ein "Drüberfahren" über die Gewerkschaft werde es mit ihm allerdings nicht geben. Ob Schmied künftig mehr Budget für die zusätzliche Nachmittagsbetreuung bekommen wird, werde man gemeinsam beraten. Dies werde auch Thema bei seiner morgigen Grundsatzrede im Finanzministerium sein, so Pröll.

Rudas contra Spindelegger
Eltern werden laut der SPÖ auch künftig nicht für Nachmittagsbetreuung zahlen müssen. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas hat in einer Aussendung die Forderung von ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger nach einem Elternbeitrag bei der Nachmittagsbetreuung zurückgewiesen. Schließlich würden gerade den Eltern jener Kinder, die eine ordentliche Nachmittagsbetreuung brauchen, oft die finanziellen Mittel fehlen. Und eine Nachmittagsbetreuung nur für jene, die genug Geld haben "wird es mit der SPÖ sicher nicht geben."

(apa/red)

13.10.2009 13:39
galileo2, 15. 10. '09 06:26
auch die eltern sollten...
es kann doch nicht sein, dass jetzt schon wieder der steuerzahler für alles herhalten soll. ich bin der meinung, auch die eltern sollten ihren beitrag leisten für die Nachmittagsbetreuung. bildung kostet nun mal geld, also warum sollten dann nicht auch die eltern in die pflicht genommen werden.
sidestep, 13. 10. '09 12:40
Guten Morgen her Neugebauer!
Auch schon aufgewacht? Ihr unnötiger Außenminister hat das - nachdem er zusammen mit der ÖVP Veränderung in der Bildungspolitik 20 Jahre gegen die Roten verteidigt und abgelehnt hatte - heute in NEWS auch schon verlangt. Wenn man 20 Jahre braucht um wach zu werden, dann spricht der Volksmund von 20 Jahren schlafen. Für was haben Sie dann 20 Jahre lang Ihr Geld bekommen Herr Präsident? Damit Sie die Privilegien gewisser Klientel verteidigt haben? Dann sind Sie - mit Verlaub - aber ziemlich überbezahlt gewesen!