Motorraddieb erschossen: Jetzt muss sich Polizeibeamter vor Gericht verantworten
- Anklage: Körperverletzung mit tödlichem Ausgang
- Polizisten drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis

Inmitten der Diskussion, ob im Zusammenhang mit dem in einem Kremser Supermarkt erschossenen mutmaßlichen 14-jährigen Einbrecher der Waffengebrauch der Polizisten gerechtfertigt war, lässt die Justiz mit einer brisanten Entscheidung aufhorchen: Jener Polizeibeamte, der am 8. August 2008 in Wetzelsdorf (Bezirk Mistelbach) einen flüchtigen Motorraddieb erschossen hat, wird wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang vor Gericht gestellt.
"Eine Anklage in diese Richtung ist in Vorbereitung", bestätigte Michaela Schnell, die Sprecherin der mit den Ermittlungen in diesem Fall betrauten Staatsanwaltschaft Wien. Sollte der Beamte anklagekonform schuldig gesprochen worden, droht ihm gemäß § 86 Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren.
Überraschende Entscheidung
Die Entscheidung, den Polizeibeamten vor Gericht zu stellen, kommt insofern überraschend, als die mit den Ermittlungen betraute Staatsanwaltschaft Wien ursprünglich die Einstellung des Verfahrens vorgeschlagen hatte. Bei der dienstvorgesetzten Oberstaatsanwaltschaft fand der entsprechende Vorhabensbericht allerdings keine Zustimmung.
Dem Vernehmen nach soll sich vielmehr eine Oberstaatsanwältin eingehend mit dieser Causa auseinandergesetzt und schließlich selbst einen Strafantrag verfasst haben. Dieser Entwurf wurde nach äußerst langwieriger Prüfung im Justizministerium schließlich genehmigt.
Der Polizist hatte sich mit einem Motorradfahrer konfrontiert gesehen, der zuvor schon mehrere Straßenbahnsperren durchbrochen hatte. Der 46-jährige Biker war bei Gaweinstal in eine Routinekontrolle der Polizei geraten, worauf er Gas gab und eine Amokfahrt startete. Wie sich später herausstellte, war das Motorrad am Vortag in Wien-Simmering gestohlen worden.
Dieb auf der Flucht erschossen
Auf seiner Flucht raste der mutmaßliche Dieb mit hoher Geschwindigkeit an einem quer auf der Fahrbahn abgestellten Einsatzfahrzeug der Polizei vorbei. Der Abstand zwischen Polizeifahrzeug und dem Straßenrand betrug nur rund einen Meter. Als er mit dem 180 PS schweren Motorrad auf einen 26 Jahre alten Polizisten zukam und diesen angeblich sogar streifte, zog dieser seine Dienstwaffe und gab zwei Schüsse ab. Der erste - offenbar ein Warnschuss - ging in die Luft, der zweite traf den 46-Jährigen in den Rücken. Der Biker kam zu Sturz und hatte keine Überlebenschance. Das Projektil durchschlug Niere, Leber und Herz.
(apa/red)
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