Von Abbado zu Losek
- Heinz Sichrovsky über den Fall ,Wien Modern
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Das Festival Wien Modern wurde 1988 von vier der markantesten Kulturpersönlichkeiten ihrer Zeit begründet, von Claudio Abbado, Hans Landesmann, Alexander Pereira und der eben zur Stadträtin ernannten Ursula Pasterk. Heute befindet sich Wien Modern in finanziellen Schwierigkeiten: Vor einer Woche demissionierte der amtierende Leiter wegen mangelnden politischen Rückhalts. Seinem Nachfolger Matthias Losek aus dem Büro des Kulturstadtrats Mailath-Pokorny wünscht die Musikwelt zwar unbekannterweise alles Gute. Aber der Weg von Abbado zu Losek sollte für künftige Projekte doch nicht als exemplarisch festgeschrieben sein. Zum Beispiel ist der Salzburger Konzertchef Markus Hinterhäuser, ein internationaler Kapazunder, in Kürze verfügbar. Dabei wäre es ungerecht, Mailath die Visionsfähigkeit abzusprechen: Die Rückwidmung des Theaters an der Wien zum maßstabsetzenden Opernhaus war ein historischer Akt. Umso zuversichtlicher darf gehofft werden, dass er den Blick von damals wieder mobilisiert, wenn bald heikle Entscheidungen für 2013 zu treffen sind: In diesem Jahr laufen die Verträge von Roland Geyer und Kathrin Zechner aus, und Luc Bondy verabschiedet sich von den Festwochen. Dass dieser große Mann noch von Pasterk verpflichtet wurde, soll ihren Nachnachfolger nicht darin beirren, nach einem Gleichrangigen zu fahnden.
