Freitag, 9. Oktober 2009

Jeder gegen jeden bei der Bundesbahn:
Gewerkschafter Haberzettl gerät ins Visier

  • Möglicherweise ungültige Betriebsvereinbarungen
  • FORMAT: Welle von Nachforderungen zu befürchten

Gemeinsam Krisen bewältigen – das scheint nicht gerade das Motto bei den Österreichischen Bundesbahnen zu sein. Dort heißt es derzeit „Jeder gegen jeden“. Vor allem die Gewerkschaft hat sich mit der Anzettelung des sogenannten Datenskandals allem Anschein nach einen Bärendienst erwiesen. Nicht nur der frühere Personalchef Franz Nigl schießt gegen ÖBB-Betriebsratsboss Wilhelm Haberzettl zurück – in der Vorwoche belastete er Haberzettl mit einer Eingabe bei der Staatsanwaltschaft, wonach der Betriebsrat den Umgang mit Krankendaten mitgetragen habe, wie FORMAT exklusiv berichtete. Auch die Kritik von Aufsichtsräten wird lauter.

Ungültige Disziplinarverordnung. Jetzt ist noch eine brisante Causa aufgetaucht, wie eine E-Mail von Nigl an sämtliche Topmanager des Konzerns und an Haberzettl vom 29. September 2009 belegt (siehe Faksimile). Daraus geht hervor, dass möglicherweise 22 Betriebsvereinbarungen (BV), die im Bahn-Konzern seit 2004 geschlossen wurden, ungültig sind. Der Grund: Seit damals gibt es eine neue Struktur, und der Zentralbetriebsrat braucht die Ermächtigung aller Belegschaftsvertretungen der Gruppe, um BVs abschließen zu können. Klar ist, dass dies zumindest bei der Disziplinarverordnung nicht der Fall war.

Das kam kürzlich ans Licht: Denn ein Herr B. brachte eine Anfechtungsklage gegen seine Entlassung von den ÖBB ein und bekam heuer vom Oberlandesgericht Innsbruck Recht, weil die neue Disziplinarverordnung nicht rechtmäßig zustandegekommen sei. Betriebsrat und Gewerkschaft haben inzwischen eingeräumt, dass die erforderlichen Ermächtigungen fehlten. ÖBB-intern wird befürchtet, dass im schlimmsten Fall alle Eisenbahner, die seither entlassen – pro Jahr im Schnitt 15 Personen – oder mit einer Geldstrafe belegt wurden, jetzt klagen könnten.

Welle von Nachforderungen befürchtet
Auch bei der erst 2009 abgeschlossenen Dienstreise- BV fehlte zumindest die Ermächtigung eines Teilbetriebsrats der Personenverkehr AG. Durch diese neue Richtlinie benachteiligte Zugbegleiter könnten womöglich Nachforderungen stellen, wenn sie gar nicht gültig ist. Haberzettl bestreitet das. In der Übergangsphase zur neuen ÖBB-Struktur sei es zu einem Formalfehler gekommen. Derzeit würden alle Unterlagen kontrolliert. Sollten weitere Beschlüsse fehlen, werde man diese unmittelbar nachholen. Haberzettl spricht von einer Schlammschlacht gegen ihn.

SP-Kritik an Haberzettl
Tatsächlich sind weniger die angeblichen Mehrkosten das heiße Thema, sollte sich herausstellen, dass Haberzettl auch andere BVs unbefugt unterschrieben hat. Viel unangenehmer für ihn ist, dass seine Gegner jetzt seine Handschlagqualität infrage stellen und ihm Selbstherrlichkeit vorwerfen. Die Angriffe kommen nicht nur vom Erzrivalen Nigl, auch Aufsichtsräte machen gegen Haberzettl mobil. Und zwar nicht nur Kontrollore, die der ÖVP nahestehen. Auch der rote Bahn-Präsident Horst Pöchhacker oder Günther Havranek, Exaufsichtsrat der Betrieb AG, wettern gegen ihn. „Viele Kapitalvertreter sind über das Wirken des Herrn Haberzettl aufgebracht, weil er dem Konzern auch in der Öffentlichkeit schadet“, sagt ein Kontrollor, der – noch – nicht genannt werden will. Haberzettl lässt das mit Hinweis auf die Datenaffäre nicht auf sich sitzen. „Wer sich gegen Gesetzesverletzungen wehrt, ist der Schlechte. Wer die Gesetze mit Füßen tritt, dem hält man die Stange. So kann es doch nicht sein“, erregt er sich.

Pöchhacker und andere Aufsichtsräte sollen auch wenig erfreut sein, dass ÖBB-Vorstände sich im Zuge der Daten-Vorwürfe nicht vor Nigl gestellt, sondern sich abgeputzt haben. Das wird wohl für ÖBB-Holding- Chef Peter Klugar noch Folgen haben.

Miriam Koch, Andreas Lampl

Lesen Sie die ganze Geschichte im aktuellen FORMAT 41/09!

9.10.2009 12:46
hary1965, 09. 10. '09 14:47
Was sollte anderes erwartet werden
Diesen Herrn braucht man nur in die Augen sehen, ein Beton-Gewerkschafter der alten Schule, unsympatisch und Selbstherrlich, er schädigt vor allem den Steuerzahler und wird die ÖBB finanziell runieren, wie lange läßt die Bevölkerung solche Typen noch werken, und so lange solche Typen in SPÖ Nähe agieren wird diese Partei alle Menschen abschrecken und den Ruf der Besitzstandbewahrerpartei nie los werden, die Wahlen gehen noch zu gut für die SPÖ aus, sie scheinen noch nicht begriffen zu haben dass genau solche Typen bei den Menschen nicht mehr ankommen
sidestep, 10. 10. '09 11:23
Re: Was sollte anderes erwartet werden
Insbesondere die Charakterisierung in den ersten Sätzen ist völlig richtig (in Augen sehen - Betongewerkschafter) aber auch das ganze Posting trifft meine Zustimmung! Genau so ist es!