Freitag, 9. Oktober 2009

"Wille im Team hat sich extrem geändert": Scharner ortet & lobt Wandel der Einstellung

  • Kapitän unterstützt Constantinis eingeschlagenen Weg
  • "Kommt auf Mut und Konsequenz des Teamchefs an"

Paul Scharner sieht in der WM-Qualifikation gegen Litauen nicht nur die große Chance auf Gruppen-Endrang drei, sondern auch eine weitere Etappe im Entwicklungsprozess der jungen Nationalmannschaft. "Wir haben wieder ein Match auf internationalem Niveau, da kann jeder Spieler wieder viel lernen", erklärte der ÖFB-Kapitän und ließ keinen Zweifel an der Zielsetzung offen. "Jeder ist topmotiviert, um drei Punkte einzufahren."

Wenn Scharner auch auf drei Punkte gegen Litauen hofft, so wehrt er sich dennoch gegen überhöhte Erwartungen. "Wir sind mit dieser Mannschaft sicher noch immer im Startviertel. Die jungen Spieler brauchen Zeit zur Entwicklung, sie müssen internationale Spiele absolvieren, damit sie das internationale Niveau aufnehmen können."

An der Einstellung sollte es laut Scharner nicht scheitern - die hat sich seiner Meinung nach nämlich im Vergleich zu 2006, als er freiwillig Abschied vom Team genommen hatte, deutlich gewandelt. "Was sich extrem geändert hat, ist der Wille. Jeder von den Jungen will beweisen, dass er gut genug für die Stammformation ist. Das bringt ein gewisses Tempo ins Training."

Zustimmung für Constantini
Der Niederösterreicher hält die Philosophie von Teamchef Dietmar Constantini für richtig. "Ich finde es gut, dass man sich den Weg gehen traut, auf Junge zu setzen. Das braucht einfach Zeit. In erster Linie kommt es auf den Mut und die Konsequenz des Teamchefs an." Genau daran hat es laut Scharner in den vergangenen Jahren in Österreich gemangelt. "Als wir den Zuschlag für die EM bekommen haben, hat es meiner Meinung nach auch nicht weniger Talente als jetzt gegeben, nur hat man den Weg nach einigen Monaten umgekippt, weil die Resultate nicht mehr gepasst haben, und hat das Ziel - die EM - aus den Augen verloren."

Zurückhaltung ist beim England-Legionär auch angesagt, wenn es um das Thema Andreas Ivanschitz geht. "Ich glaube, dass er über kurz oder lang sowieso wieder dabei sein wird." In diesem Fall wird es plötzlich vertauschte Rollen geben, denn dann ist Ivanschitz der Rückkehrer und Scharner der Kapitän - völlig konträr zum ÖFB-Comeback von Scharner im Sommer 2008.

Damals fühlte sich der Niederösterreicher bei der Reintegration vom nunmehrigen Mainz-Legionär nicht wirklich unterstützt. "Ich habe aus diesen Fehlern gelernt und habe mir gemerkt, was ich anders mache, wenn er zurückkommt", sagte Scharner, der noch einige Jahre im Nationalteam spielen will. "Meine Vision ist 2014", erklärte der 26-fache Internationale. In diesem Jahr findet die WM in Brasilien statt.

(apa/red)

9.10.2009 16:02