Freitag, 9. Oktober 2009

"Zweieinhalb aus Sechs": Argentinien
zittert beim südamerikanischen Quali-Lotto

  • Sechs Länder noch mit Chance auf WM-Ticket
  • Gauchos mit schlechten Erinnerungen an Peru

Der südamerikanische Wettlauf nach Südafrika hat sich in der finalen Phase auf ein Lotto-Spiel "Zweieinhalb aus Sechs" reduziert. In den letzten zwei Runden am Wochenende und am Mittwoch besitzen noch sechs Länder die Chance auf einen der zwei noch offenen WM-Startplätze bzw. die Hoffnung auf die Barrage. Rekordweltmeister Brasilien und Paraguay haben das WM-Ticket für 2010 bereits fix in der Tasche.

Chile (27 Punkte), Ecuador (23), Argentinien (22), Uruguay, Venezuela (je 21) und Kolumbien (20) befinden sich mehr oder weniger gut im Rennen. Den fünften Tabellenplatz, der zum Play-off gegen den Vierten der CONCACAF-Zone berechtigt, nehmen derzeit die Argentinier ein. Gewinnt der "Goliath" am Samstag in Buenos Aires gegen Schlusslicht Peru nicht, dann droht ihm erstmals seit 1970 die Rolle des WM-Zuschauers, könnte sich die Vergangenheit wiederholen.

Vor 39 Jahren waren es die Peruaner, die dem zweifachen Weltmeister in Buenos Aires durch ein Remis den Weg zur WM-Endrunde versperrten und sich selbst erstmals zu einem FIFA-Turnier spielten. "Ich hoffe, wir liefern eine große Partie gegen einen großen Gegner und gehen in die Geschichte ein wie ein Bösewicht in einem Film", posaunte der 34-jährige Peru-Kapitän Nolberto Solano, der die Hauherren trotz ihrer schlechten Qualifikation als Favorit einstufte.

Maradona unter Druck
Diego Maradona, dessen Team am Mittwoch noch in Uruguay antreten muss und der danach über seine Teamchef-Zukunft nachdenken wird, hat mit Argentinien nicht nur die drei jüngsten Quali-Partien gegen Ecuador, Brasilien und Paraguay verloren, sondern auch keine guten Erinnerungen an Peru. Als Spieler hat der jetzige Teamchef den Zwerg nie besiegt. 1985 gab es in der WM-Quali ein 0:1 (a) und ein 2:2 (h), wobei dem Goliath der Ausgleich erst neun Minuten vor dem Ende glückte und die WM-Teilnahme 1986 und sich dann in Mexiko den Titel sicherte.

Maradona, der im September in einem Thermenhotel in Südtirol neue Kraft getankt hat, gibt sich vor den "Schicksalsspielen" kämpferisch. "Dass wir in eine solche Situation geraten könnten, hätte ich nie erwartet. Das werden sicher die schwierigsten Partien meiner Trainerkarriere. Wir müssen jetzt eben Peru und dann Uruguay schlagen", sagte der Teamchef, dessen Zukunft in der "Hand Gottes" liegt. Aus eigener Kraft können seine Spieler Südafrika auf direktem Weg nicht mehr erreichen.

Martin Demichelis gab zu, dass durch die Reihen der "Albiceleste" natürlich eine gewisse Angst geistert. "Doch das sind die Momente, in denen wir Argentinier unsere Charakterstärke beweisen müssen. Gegen Peru zählt nur der Sieg, erst nachher schauen wir auf die Rivalen und hoffen, dass wir dann besser dastehen als derzeit", sagte der 28-jährige Bayern-Legionär, der wegen einer Knöchelblessur seit August nicht mehr gespielt hat.

Gewinnen am Samstag die drittplatzierten Chilenen, die erstmals seit 1998 zur WM fahren wollen, und der Tabellenvierte Ecuador, der den dritten WM-Start im Fokus hat, in Kolumbien bzw. daheim gegen Uruguay, ist das Duo bereits fix für Südafrika qualifiziert. In diesem Fall würden die Argentinier, die am Mittwoch noch nach Uruguay müssen, bestenfalls um den Barrage-Platz kämpfen. Aber diesen haben auch die Urus sowie Venezuela und Bolivien, die am Samstag Paraguay bzw. Brasilien empfangen, noch nicht ganz abgeschrieben.

(apa/red)

9.10.2009 16:38