Freitag, 9. Oktober 2009

Der 'sture Tiroler' auf Erfolgspfaden:
Didi Constantinis Kaderpolitik polarisiert

  • NEWS.at wirft Blick auf die "Constantini-Philosophie"
  • Jugend und Rot-weiß-rot ist In - Legionäre im Abseits

Tirolern sagt man nach, ein ganz eigener Menschenschlag zu sein. Eigenwillig, manchmal stur und erst recht kantig. Dietmar Constantini ist Tiroler und er ist Teamchef. Einer, dessen Kaderpolitik polarisiert. Doch sie bringt den gewünschten Erfolg. Die jüngsten Ergebnisse und Leistungen der Nationalmannschaft unter der Ägide des 54-Jährigen können sich sehen lassen. Sie sind das Resultat der Constantini-Philosophie.

Seitdem Constantini das Team übernommen hat, wird der Jugendstil forciert. Und der wichtigste Fußball-Trainer des Landes hält es für richtig, an diesem Weg festzuhalten. "Ich habe mich entschlossen, dass ich zu diesem Kader halte und ihm weiter die Chance gebe. Dazu stehe ich und das werde ich durchziehen." Während so mancher Routinier wie Manninger, Garics oder Ibertsberger auf Distanz geht, halten die Jungen loyal zu ihrem Chef, loben den Coach und den atmosphärischen Wandel.

Bestandteil der Constantini-Philosophie ist auch das Festhalten an gewissen Spielern, die bei ihren Vereinen nur selten zum Zug kommen, wie etwa Erwin Hoffer, der bei Neapel noch nicht Fuß fassen konnte. Für Außenstehende rational vielleicht nicht ganz nachvollziehbar, wenn im Gegensatz dazu ein Spieler wie Andreas Ivanschitz, der in der deutschen Bundesliga zu den Leistungsträgern zählt, keine Berücksichtigung findet.

Legionäre im Abseits
Ivanschitz ist nicht der einzige Legionär, der im Team im Moment keinen Platz hat. Denn im aktuellen 22-Mann-Aufgebot stehen nur fünf Kicker, die ihr Geld im Ausland verdienen. Noch vor einem Jahr war alles ganz anders. Vorgänger Karel Brückner vertraute auf Fremdarbeiter. Unter Constantini folgte ein Schwenk um 180 Grad. Aktuell bilden Spieler aus der Bundesliga das Grundgerüst im Team.

Nach der Meinung von Constantini ist der Klasseunterschied zwischen dem heimischen Oberhaus und anderen europäischen Ligen geringer als vermutet. "Wir haben alle ein bisschen ein Faible für andere Ligen, aber ob man zum Beispiel in Italien um zwei, drei Klassen besser wird, ist zu hinterfragen. Wir haben drei, vier Mannschaften, bei denen ich keine Bedenken habe, dass sie in allen Ligen mithalten können."

Einige der unter Brückner einberufenen Legionäre sind zudem verletzt oder noch nicht topfit (Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz, Martin Stranzl), einige baten endgültig (Alexander Manninger) oder temporär um eine Nicht-Berücksichtigung (György Garics, Andreas Ibertsberger), einige werden nicht mehr einberufen, weil sie vereinslos sind (Jürgen Macho) oder im Moment nicht in die Mannschaft passen (Andreas Ivanschitz).

Als einer der wenigen im Ausland beschäftigten österreichischen Fußballer zählt Paul Scharner zu einem Fixpunkt im Nationalteam. Der Wigan-Legionär hat für die Wende in der ÖFB-Auswahl eine einfache Erklärung parat. "Jeder Teamchef hat seine eigene Philosophie. Brückner hat geglaubt, dass Legionäre mehr bringen, Constantini setzt auf die Jungen der österreichischen Liga. Das ist das Recht jedes Trainers, und bis jetzt kann man nichts dagegen sagen."

Genauso sieht es wohl auch Constantini. Sollten seine Personalentscheidungen und seine Arbeit nicht den gewünschten Erfolg bringen, werde er dafür die Verantwortung tragen: "Jeder Trainer hat sein Ablaufdatum, auch ich. Aber bis meines greift, mache ich das, was ich für richtig halte." Eine klare Ansage des 'sturen Tirolers'.

(red)

9.10.2009 10:44