Polizei sieht im Fall Krems "derzeit keinen Handlungsbedarf": Beamte weiter im Dienst
- Staatsanwaltschaft will Schützen erneut vernehmen
- Neue Vermutung: Ließen Jugendliche Waffen fallen?
Im Fall des in einem Kremser Supermarkt erschossenen 14-jährigen mutmaßlichen Einbrechers sieht das Landespolizeikommando Niederösterreich "derzeit keinen Handlungsbedarf". Obwohl das Gutachten die Beamten schwer belastet, versehen die betroffenen Polizisten bis auf weiteres Dienst, wie Oberstleutnant Roland Scherscher erklärte. Die Staatsanwaltschaft Korneuburg will unterdessen den Schützen noch einmal einvernehmen.
Die beiden Polizisten wurden laut Scherscher bereits unmittelbar nach dem tödlichen Zwischenfall von ihrem bisherigen Einsatzort Krems abgezogen und verrichten seither Innendienst. Nach wie vor werden sie "fallweise und bei Bedarf" psychologisch betreut, sagte der Behördensprecher.
Vor allem das Gutachten des Schießsachverständigen Ingo Wieser belastet den Beamten, der den tödlichen Schuss abgeben hat, massiv. Dieser hatte angegeben, aus einer Entfernung von vier bis fünf Metern kniend auf die Füße des 14-Jährigen gezielt zu haben. Gemäß den Feststellungen des Ballistikers dürfte der Mann aber im Stehen aus einer Entfernung von 1,8 bis zwei Metern geschossen haben. Die Darstellung des Beamten zu seiner Schussabgabe stehe "in Widerspruch zu objektiv festgestellten Spuren", heißt es in Wiesers Gutachten wörtlich.
Jugendliche bei Schusswechsel nicht bewaffnet?
Die Burschen könnten die Harke bzw. den Schraubenzieher, mit denen sie die Polizisten bedroht haben sollen, am Ende möglicherweise gar nicht mehr in der Hand gehabt haben. Das berichtet der ORF NÖ. Karl Schober, der Leiter der Korneuburger Anklagebehörde, bestätigte das insofern, als sich beim umgekommenen 14-Jährigen ein Werkzeug "in Körpernähe" des Jugendlichen befunden habe.
Er könne nicht sagen, "ob er sie unmittelbar vor der Schussabgabe eingesteckt hat oder nicht", so Schober. Dasselbe gelte für den 17-Jährigen. Laut ORF sollen Harke und Schraubenzieher beim Auffinden der Jugendlichen in einer Pullovertasche bzw. unter einer Jacke entdeckt worden sein.
(apa/red)
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