Mittwoch, 30. September 2009

Pohl-Position von Walter Pohl

  • PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

Faymann – was nun? Unlängst traf ich den einzigen Nachfolger. Im Schweizerhaus …

Vor wenigen Wochen, mitten im spätsommerlichen Getümmel des Wiener Schweizerhauses. Eine illustre Runde aus der heimischen Unterhaltungsbranche trifft sich zum Jour fixe. Zwischen Grillhuhn und Budweiser kickt mich mein rechter Sitznachbar, ein Nachwuchstalent, mit dem Ellenbogen an: „Schau mal, wer da am nächsten Tisch sitzt. Unser Sozialminister. Der Dings da, der – wie heißt er schnell?“ „… Hundstorfer.“ „Genau“, platzt mein Sitznachbar, selbst kaum älter als 30, hervor. „Irgendwie cool drauf, der Typ.“ „Warum?“, werfe ich ein.
„Na ja, der sitzt einfach so da, ganz lässig, und trinkt sein Bier genauso wie wir. Und plaudert mit irgendwem, den ich nicht kenn. Vielleicht sein Bodyguard?“ (Es war AK-Chef Herbert Tumpel; Anm. d. Red.) Ich bremse die Euphorie meines Sitznachbarn: „Aber sicher steht vor dem Lokal sein Chauffeur mit laufendem Motor. Ich tipp auf Audi A8 oder so.“

Ein paar Viertelstunden später entwickelt sich schließlich ein tischübergreifendes Gespräch zwischen Hundstorfers und unserer Gesellschaft. Wo er denn seine Bodyguards gelassen habe, will einer wissen. „Wozu Bodyguards, ich hab ohnehin starke männliche Begleitung“, kontert der Minister gewitzt. Und wie das eigentlich mit dem Dienstwagen sei, setzt ein anderer Zweifler nach. Er, staubtrocken: „Ich geh da hundert Meter zur U-Bahn, und dann fahr ich nachhause.“ Das hat Format.

Zugegeben: Rudolf Hundstorfer ist nicht mehr der Allerjüngste (Jahrgang 1951), und in seinem Gesichtsausdruck spiegelt sich zunehmend die Bürde seiner politischen Aufgaben. Übernahme des schwer angeschlagenen ÖGB nach der Bawag-Affäre, Restrukturierung des Gewerkschaftsriesen, Minister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz in Zeiten der finanziellen Cholera, wahrlich kein Spaßjob also.

Aber er ist ein Volkspolitiker reinsten Wassers, ein Kumpeltyp, Koalitionspartner ÖVP und selbst die Opposition haben für ihn Beifall übrig. Schrieben wir das Jahr 1985, wäre er wahrscheinlich Kanzler geworden, anstelle einer Serie von mehr oder weniger volksnahen Verwaltern der Republik.

Aber wir befinden uns im Jahr 2009 und halten nur noch bei der Frage: „Wer dreht in der SPÖ eigentlich das Licht aus …?“

30.9.2009 15:47