Freitag, 2. Oktober 2009

Die Staatsbillionen aus dem Morgenland:
Schwellenländer kaufen sich im Westen ein

  • Libyscher Staatsfonds Geldgeber bei Wienerberger
  • Industrienationen debattieren Abwehrmaßnahmen
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Der jüngste Einstieg von Gaddagis Staatsfonds beim Baustoffkonzern Wienerberger ist keine Ausnahme. Staatliche Investmentgesellschaften aus China, Saudi-Arabien oder auch Libyen kaufen sich seit Monaten groß in westlichen Gesellschaften ein - und werden dort meist mit offenen Armen empfangen.

Speziell der Wiener Ziegelhersteller sehnte sich nach den Staatsmillionen des libyschen Staatsfonds Libyan Investment Authority (LIA). "Die LIA ist ein langfristig orientierte Investor" freut sich Wienerberger-Chef Heimo Scheuch gegenüber FORMAT, dessen Unternehmen seit Jahresanfang 2.000 Jobs abbauen musste.

Ähnlich langfristige Anlagen verfolgen auch andere Staatsfonds in Österreich. Die International Petroleum Investment Company (IPIC) hält beispielsweise seit Jahren Anteile an der OMV und denkt inzwischen auch an eine Ausweitung der Beteiligung.

Aufregung im Westen
Für weit mehr Aufregung sorgte der Vormarsch der Schwellenländer in anderen Industrienationen. Die Qatar Investment Authority ist seit September Großaktionär beim deutschen Autobauer Porsche, der chinesische Staatsfonds CIC kaufte sich bei den US-Institutionen Morgan Stanley und Blackstone ein. Zufrieden geben sich die Geldgeber aus dem Osten damit noch aber nicht. Rund 3,22 Billionen Dollar liegen derzeit in den Staatsfonds der Welt - und harren auf Veranlagungen im großen Stil.

Folglich haben erste europäische Staaten bereits Schritte eingeleitet, Investitionsvorstöße ausländischer Fonds auszubremsen. Deutschland änderte das Außenwirtschaftsgesetz, das nun ein Veto bei ausländischen Investitionen ermöglicht. In Frankreich wurde ein Staatsfonds gegründet, der ausländischen Investments zuvorkommen soll.

Auch in Österreich wird ein Vetomodell nach deutschem Vorbild debattiert. Wie CMS-Anwalt Peter Huber gegenüber FORMAT erläutert, ist aber nicht damit zu rechnen, dass österreichische Unternehmen ganz oben auf der Wunschliste der Staatsfonds stehen: Der Fokus der Investmentgesellschaften liege in erster Linie auf Finanzsektor, Immobilien und Infrastruktur.
(red)

Lesen Sie im FORMAT 40/09 und auf FORMAT.at, welchen Appetit die Staatsfonds der Schwellenländer haben

2.10.2009 15:04