"Ertappt bei einer Sauerei": FPÖ und BZÖ
feuern Breitseite auf ÖBB-Gewerkschafter
- Haberzettl soll von der Datenaffäre gewusst haben
- Personal-Vertreter geht inzwischen in die Offensive

·Ex-ÖBB-Personalchef Nigl packt jetzt aus!
FORMAT: Klugar und Gewerkschaft eingeweiht
·ÖBB-Krankendaten-
Skandal ausgeweitet
NEWS: Verantwortliche wussten seit 2005 davon
·2008 verlangte ÖBB-
Aufsichtsrat Klärung
Pöchhacker: "Damals gab
es klare Anweisungen!"
ÖBB-Konzerngewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl sieht sich im Zuge der Affäre um die ÖBB-Krankenstandsdaten mit harscher Kritik von FPÖ und BZÖ, aber auch vonseiten des Koalitionspartners ÖVP konfrontiert. Deren Generalsekretär Fritz Kaltenegger bezeichnete Haberzettl als "Ausdruck der derzeitigen Krise der SPÖ". Der sucht sein Heil inzwischen in der Offensive.
Berichte, wonach Haberzettl Datenblätter mit Angaben zu Krankheitsgründen unterschrieben habe, zeigen nach Ansicht Kalteneggers, dass der Gewerkschafter "ertappt wurde bei einer wirklichen Sauerei", wie er sagte. Haberzettl habe von den Missständen gewusst und "versucht, die Schuld von sich zu schieben".
Die FPÖ findet, die Rolle der SPÖ bei der ÖBB-Affäre werden "immer dubioser", so Generalsekretär Herbert Kickl in einer Aussendung. Für ihn handelt es sich um einen "tiefroten Skandal", er forderte, der "rote Sumpf" müsse trockengelegt werden. Ähnlich BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz: Er sieht einen "roten Bespitzelungsskandal" und forderte Haberzettl zum Rücktritt auf, dieser stecke "voll in diesem Sumpf". Diskussionswürdig sei auch die Rolle des heutigen Bundeskanzlers und SP-Vorsitzenden und früheren Verkehrsministers Werner Faymann, der Bescheid gewusst habe. Strutz stellte zudem in der Causa einen U-Ausschuss in den Raum.
Haberzettls Offensive
Haberzettl geht indes in die Offensive. Personalchef Franz Nigl könnte für das Sammeln der Krankendaten Prämien kassiert haben, mutmaßte er im ORF-"Mittagsjournal". Nigl habe den Aufsichtsrat und den Vorstand getäuscht, denn er habe die Anweisung erhalten, die illegale Datensammlung zu unterlassen, diese aber weitergeführt, sagte Haberzettl: "Wenn Sie davon ausgehen, dass Nigl den Vorstand am 30. Mai 2008 belogen hat, wundere ich mich, dass er noch immer im Dienst ist." Beide Vorwürfe, nämlich Prämien für das Datensammlung erhalten und den Vorstand belogen zu haben, wies Nigls Rechtsanwalt postwendend "entschieden" zurück.
Bei sich selber sieht Haberzettl keine Schuld. Als Betriebsrat müsse er Probleme so weit wie möglich im Betrieb erledigen. Außerdem sei er davon ausgegangen, dass es keine illegalen Datensammlungen mehr gebe, wiederholte Haberzettl seine frühere Argumentation. Der Vorwurf, er habe Krankenstandsdaten eines krebskranken ÖBB-Mitarbeiters per Mail übermittelt sei falsch. (apa/red)

